Donnerstag • 18. Oktober
Heribert Prantl
18. September 2018

Scharfe Kritik an Kreuzerlass von Söder

Das Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl. Foto: picture-alliance/Geisler-Fotopress
Das Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl. Foto: picture-alliance/Geisler-Fotopress

Augsburg (idea) – Scharfe Kritik am Kreuzerlass des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) hat das Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl (München), geübt. Er sprach beim Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag am 18. September vor 400 Pfarrern in Augsburg. Seit dem 1. Juni muss in jeder bayerischen Behörde ein Kreuz hängen. Prantl zufolge ist Söders Vorgehen keine Respektbezeugung gegenüber dem Kreuz, sondern eine Instrumentalisierung und politischer Missbrauch. Prantl: „Das ist nicht christlich, sondern Ketzerei.“ Mit dem Erlass versuche Söder, die drohende Wahlniederlage abzuwenden. Die Kirchen müssten sich gegen diese „blasphemische Vereindeutigung“ wehren. Das Kreuz sei kein „religiöses Hirschgeweih“, sondern Sinnbild des Leides. Die CSU dürfe das Kreuz nicht als Dominanzsymbol ihrer Politik und als „Akt der Ausgrenzung gegen den Islam“ einsetzen. Allerdings sei der Kreuzerlass vielen Christen nicht unrecht gewesen, weil sie Schwierigkeiten mit dem Islam hätten. Sie hätten dem Glaubensstolz und der Inbrunst der Muslime nicht viel entgegenzusetzen. Die Auseinandersetzung mit Muslimen mache vielen Christen die Unkenntnis über den eigenen Glauben deutlich.

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Die Kirche ist dafür da, vom ewigen Leben zu reden

Prantl zufolge ist es Aufgabe der Kirche, eine „Entängstigungseinrichtung“ zu sein. Sie sei dafür da, vom Himmel und dem ewigen Leben zu reden. Es brauche die Sehnsucht und die „Suche nach einer Welt, die nicht von dieser Welt ist“. Es mache den Affen zum Menschen, dass er den Blick Richtung Himmel richte. Prantl: „In dem Augenblick, in dem der Mensch den Himmel nicht mehr sieht, macht er sich zum Affen.“ Der Mensch ohne Himmel sei sich selbst genug und mache sich selbst zum Maßstab aller Dinge. Aufgabe der Pfarrer sei es, die Sehnsucht nach dem Himmel zu wecken und allem Volk verkünden „Fürchtet euch nicht!“. Prantl forderte die Pfarrer dazu auf, verständlich vom Glauben zu sprechen, aber nicht banal, infantil oder langweilig. Spannend würden Predigten dadurch, dass sie Spannungen, Widersprüche und Zweifel der Bibel behandelten. Predigten hätten jedoch oft die Neigung, alles weißzuwaschen und auszubügeln. Es gehe aber im Leben nicht alles gut aus und nicht jeder Konflikt löse sich in Wohlgefallen auf.

Sexuelle Gewalt in Kirchen ist wie ein „stinkendes Gas“

Prantl äußerte sich auch zur sexuellen Gewalt gegen Kinder in der römisch-katholischen Kirche. Geistliche seien als Gewalttäter und Angstmacher aufgetreten. Zwar sei dieses Problem in den evangelischen Kirchen nicht so grassierend. Dennoch verbreite sich die ausgeübte Gewalt wie ein „stinkendes Gas“. Sie kontaminiere alles und liege auch vor der Tür der anderen Konfessionen. Die Kirchen hätten Vertrauen und Respekt eingebüßt. Ein Generalverdacht infiziere alles Kirchliche. Es gebe nun eine „Ökumene im Negativen“. Das Pfarramt werde nicht mehr als „hochwürdig“ empfunden, sondern als „hochbürdig“.

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