Menschenrechte
Kongress gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung gestartet
26.04.2026

Mit mehr als 400 Teilnehmern hat am 26. April der Kongress „Freiheit 2026 – Gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung“ im Christlichen Gästezentrum „Schönblick“ in Schwäbisch Gmünd begonnen. Die viertägige Tagung macht nach Angaben der Veranstalter auf Menschenhandel als eine der größten aktuellen Tragödien aufmerksam. Sie bringt Politiker, Fachleute aus Praxis und Wissenschaft sowie Betroffene zusammen. Nach Angaben der Veranstalter sind über 40 Partnerorganisationen und rund 50 Referenten beteiligt.
Zu den Referenten zählen unter anderen die Leiterin des christlichen Hilfswerks „Mission Freedom“, Gaby Wentland (Hamburg), der ehemalige Co-Vorsitzende der Evangelischen Allianz in Deutschland und jetzige Berater für christliche Organisationen mit Schwerpunkt Menschenhandel, Religionsfreiheit und humanitäre Hilfe, Frank Heinrich (Chemnitz), sowie der CDU-Landtagsabgeordnete Christian Gehring (Schorndorf). Gemeinsam wollen sie Ursachen, Strukturen und Folgen von Menschenhandel beleuchten und konkrete Lösungsansätze entwickeln.
Nach Angaben der Veranstalter sind weltweit Millionen Menschen von moderner Sklaverei betroffen. Gewalt, Ausbeutung und Perspektivlosigkeit prägten das Leben vieler Opfer. Der Kongress richte sich an alle, die nicht wegsehen, sondern aktiv gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung eintreten wollten.
Scheuermann: Würde des Menschen wird täglich übertreten
Der Direktor und geistliche Leiter des Schönblicks, Martin Scheuermann, betonte in seiner Begrüßung das gemeinsame Anliegen: „Uns geht es gemeinsam um ein Anliegen, um die Würde des Menschen.“ Das Grundgesetz sage, die Würde des Menschen sei unantastbar, „aber sie wird täglich immer wieder übertreten“. Es sei ein großes Verbrechen, Menschen die Würde zu nehmen, „was leider in unserem Land kaum geahndet wird“.
Als Christen bekenne man, dass jeder Mensch ausnahmslos eine göttliche Würde habe und Geschöpf Gottes sei. Scheuermann hob hervor, dass der Kongress zunehmend internationaler werde: Teilnehmer kämen unter anderem aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Rumänien, am Abend werde zudem Israel zugeschaltet.

Kallnbach: „Doppelmoral“ in der gesellschaftlichen Debatte
Der Leiter des Kongresses, Kuno Kallnbach (Schwäbisch Gmünd), verwies in seiner Eröffnungsrede auf die Aktualität des Themas. Der Epstein-Skandal habe die Welt erschüttert, auch Deepfake-Pornos füllten die Schlagzeilen. Laut der jüngsten Kriminalstatistik habe sich die Zahl der gemeldeten Vergewaltigungen und Nötigungen von rund 6.500 Fällen im Jahr 2019 fünf Jahre später auf 13.300 verdoppelt – die Dunkelziffer sei deutlich höher.
Die Bundesregierung versuche, mit einem Gesetz Frauen besser zu schützen. „Aber die massenhaften Vergewaltigungen der 200.000 bis 400.000 Frauen im Rotlichtmilieu werden dabei nicht gesehen und nur in ganz wenigen Fällen gemeldet. Was für eine Doppelmoral“, so Kallnbach. Die Not in der Prostitution werde im politischen und gesellschaftlichen Diskurs kaum thematisiert. Ein Schwerpunkt des Kongresses sei daher die Frage, wie Menschen aus der Prostitution heraus in eine neue Freiheit begleitet werden könnten.

Bürgermeister: Betroffene haben keine Stimme
Der Erste Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Christian Baron (CDU), verwies in seinem Grußwort darauf, dass es bei Themen wie Femiziden oder häuslicher Gewalt mutige Stimmen gebe, die auf Missstände aufmerksam machten. „Das Thema Zwangsprostitution und Menschenhandel, da gibt es viel weniger, fast gar keine mutigen Stimmen, die so dringend notwendig wären.“
Aus seiner früheren Tätigkeit in der Landesverwaltung im Landkreis Esslingen, wo er für das Prostituiertenschutzgesetz zuständig war, wisse er, dass die betroffenen Frauen psychisch gebrochen seien und sich nicht mehr wehren könnten. Sie stünden unter dem Druck eines Zwangssystems aus Drogen, Gewalt und Druck auf Angehörige. „Wenn wir von Freiheit sprechen im Großen, dann können wir doch nicht das akzeptieren, dass in Deutschland (…) menschenverachtende Zustände herrschen, die wir dann einfach hinnehmen, weil es anstrengend ist.“ Jeder einzelne Schritt in Richtung Freiheit sei ein wichtiger Schritt.
Veranstalter des Kongresses sind das Bündnis „Gemeinsam gegen Menschenhandel“, die Evangelische Allianz in Deutschland, die Organisationen „Mission Freedom“, „Aktion Hoffnungsland“ und „return“ sowie das Christliche Gästezentrum Schönblick. Die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA ist Medienpartner.
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