Menschenrechte
Open Doors beklagt Angriffe auf Pastoren im Sudan
Zum UN-Gedenktag für Opfer religiöser Gewalt berichtet das überkonfessionelle Werk über die zunehmende Not der Christen in dem afrikanischen Land. Seit Jahren tobt dort ein blutiger Bürgerkrieg, der auch vor Christen nicht Halt macht.
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Im Sudan sind zwei Pastoren Opfer gezielter Angriffe geworden. Das berichtet hat das christliche Hilfswerk Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) anlässlich des UN-Gedenktages für Opfer religiöser Gewalt am 22. August.
In diesem Zuge weist es auf die zunehmende Not der Christen inmitten des im Bürgerkrieg befindlichen Landes hin. Demnach wurde am 24. Juli bei einem Überfall auf das theologische Seminar in Dabbi Pastor Adel Idris Jongool schwer verwundet; er erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Sechs Zivilisten wurden getötet, zahlreiche Seminaristen verschleppt. Bereits am 19. Juni sei der Priester der St.-Vincent-Gemeinde in Kauda, Youhanna al-Amin, getötet worden. Laut Open Doors stand sein Tod im Zusammenhang mit der Plünderung eines kircheneigenen Medikamentenlagers durch eine Gruppe von Soldaten.
Beide Vorfälle ereigneten sich in der Provinz Süd-Kordofan. Neben Darfur zählt die Region der überkonfessionellen Organisation zufolge seit vielen Jahren zu den Brennpunkten der Gewalt gegen Christen im Sudan.
Eine der größten Flüchtlingskrisen der Welt
Nach dem Ende der islamistischen Diktatur unter Omar al-Baschir im April 2019 hatte es zunächst Fortschritte bei der Religionsfreiheit gegeben. Die zivil-militärische Übergangsregierung schaffte unter anderem das Apostasiegesetz ab, das den Abfall vom Islam mit dem Tod bedrohte. Mit dem Militärputsch vom 25. Oktober 2021 kehrte jedoch die Gefahr staatlich geförderter Verfolgung zurück. RSF und SAF hatten sich danach zeitweise die Macht im Land geteilt, bevor sie sich gegeneinander wandten.
Der seit April 2023 andauernde Bürgerkrieg hat nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) rund 14 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Schätzungen zufolge kamen dabei bis zu 150.000 Menschen ums Leben. Es soll sich damit um eine der derzeit größten Flüchtlingskrisen der Welt handeln.
Kirchen werden zu Kampfplätzen
Laut Open Doors hat der Bürgerkrieg auch verheerende Auswirkungen auf die christlichen Gemeinschaften, besonders in Süd-Kordofan und den Nuba-Bergen. Lokale Kontaktpersonen berichteten, dass Geistliche zunehmend unter Druck gesetzt, entführt oder ermordet würden. Einige Angriffe stünden im Zusammenhang mit Streitigkeiten um humanitäre Hilfe; Entführungen würden dazu genutzt, Lösegeld zu fordern und Angst in den Gemeinden zu verbreiten.
Kirchen, die einst als neutrale Gemeinschaftsräume und humanitäre Zufluchtsorte gedient hätten, seien zu Schauplätzen der Kämpfe geworden. Sowohl die sudanesischen Streitkräfte (SAF) als auch die Rapid Support Forces (RSF) hätten Berichten zufolge Kirchengebäude für militärische Zwecke besetzt. Beide Kriegsparteien verwiesen zur Rechtfertigung ihres Vorgehens immer wieder auf den Islam. Laut Schätzungen sind mehr als 90 Prozent der rund 50 Millionen Bewohner im Sudan Muslime. Open Doors gibt die Zahl der Christen mit rund 2,2 Millionen an. Das entspricht mehr als vier Prozent der Bevölkerung.
Auf dem Weltverfolgungsindex 2026 steht der Sudan auf Platz 4 der 50 Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Zur Unterstützung verfolgter Christen in dieser Region hat das Hilfswerk die Kampagne „Arise Africa“ ins Leben gerufen.