Menschenrechte
OnlyFans: Referentin warnt vor digitaler Prostitution
27.04.2026

Die Online-Plattform „OnlyFans“ ist nach Einschätzung der Lehrerin, Traumatherapeutin und evangelischen Christin Felicitas Vogt kein Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung, sondern eine Form digitaler Prostitution und „Kapitalismus im Endstadium“. Das sagte sie am 27. April beim Kongress „Freiheit 2026 – Gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung“ im Christlichen Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd.
Zum Hintergrund: Auf OnlyFans können Nutzer Bilder und Videos posten und ihren Abonnenten („Fans“) verkaufen – auch erotische oder pornografische. OnlyFans funktioniert als Abo-Plattform, so Vogt: Nutzer zahlen monatliche Beiträge, um Inhalte sogenannter „Creator“ sehen zu können. Rund 40 Prozent des Umsatzes entstünden durch Abonnements, etwa 60 Prozent durch Zusatzleistungen.
2023 habe der Umsatz 6,6 Milliarden Euro betragen, 2024 bereits 7,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Pornoplattform Pornhub setze jährlich rund 2,2 Milliarden Euro um. Der im März verstorbene Eigentümer Leonid Radvinsky habe die Plattform 2019 erworben und seither maßgeblich ausgebaut.

Wenige Spitzenverdienerinnen
Von den rund 4,6 Millionen Creatorn seien etwa 80 Prozent weiblich. Während einzelne Top-Verdienerinnen wie das US-Model Blac Chyna zeitweise bis zu umgerechnet 17 Millionen Euro in einem Monat verdient hätten, lägen die tatsächlichen Verhältnisse weit darunter: Nur 0,01 Prozent verdienten mehr als etwa 850.000 Euro im Jahr, 59 Prozent weniger als 85 Euro im Monat. Der Durchschnittsverdienst betrage 41 Euro im Monat. „Davon kann man sich noch nicht mal eine Kamera kaufen“, so Vogt.
Um die hohe Arbeitsbelastung zu bewältigen, würden viele Creators von Agenturen betreut, die bis zu 60 Prozent der Einnahmen behielten. Diese Agenturen drängten die Frauen häufig zu Inhalten, die sie freiwillig nicht angeboten hätten.
Nutzer mehrheitlich männlich und verheiratet
Stichproben zufolge seien rund 87 Prozent der etwa 340 Millionen Nutzer männlich, überwiegend jung und nach manchen Erhebungen zu 89 Prozent verheiratet. Besonders nachgefragt seien Inhalte sehr junger Frauen ab 18 Jahren. Influencerinnen kündigten teils ihren 18. Geburtstag an, um am ersten Tag möglichst viele Abonnenten zu gewinnen.
Zunehmend würden auch KI-generierte „Creators“ angemeldet, sagte Vogt. Das senke die Hemmschwelle für extreme Inhalte und täusche die Nutzer. Zudem habe der digitale Kindesmissbrauch um 13 Prozent innerhalb eines Jahres zugenommen, auch durch KI-generierte Bilder. Diese basierten meist auf real existierenden Personen.
Vom Bikini-Post zur Bekehrung
Lesen Sie hier ein Porträt über Emmely Rebhahn, die sich mit 18 Jahren bei der Online-Plattform „OnlyFans“ anmeldete.

Auswirkungen auf Jugendliche und Sexualverhalten
Pornografie und OnlyFans-Inhalte prägten zunehmend die sexuellen Vorstellungen Jugendlicher. „Jungs in meiner Klasse, Zwölfjährige, die ins Internet gehen und sich Pornografie angucken, glauben, dass Sex so wäre“, so die Lehrerin. Die Folge sei, dass junge Menschen heute weniger Partnersex hätten als frühere Generationen.
Auch der Buchmarkt trage dazu bei, dass gewaltvolle Sexvorstellungen entstünden. Sogenannte „Dark Romance“-Romane mit Gewalt- und Unterwerfungsfantasien würden von jungen Frauen massenhaft gelesen. Vogt verwies zudem auf die ökologischen Folgen: Die Speicherung großer Datenmengen, darunter ein erheblicher Anteil pornografischer Inhalte, verbrauche enorme Mengen Energie. Der digitale Sektor verursache mittlerweile mehr Emissionen als der Flugverkehr.
Veranstalter des Kongresses sind das Bündnis „Gemeinsam gegen Menschenhandel“, die Evangelische Allianz in Deutschland, die Organisationen „Mission Freedom“, „Aktion Hoffnungsland“ und „return“ sowie das Christliche Gästezentrum Schönblick. Die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA ist Medienpartner.
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