Menschenrechte
Iran: Zahra Gholami aus der Haft entlassen
Warum Gholami ins Visier der Behörden geriet – und welche Wendungen ihr Fall bis zur Begnadigung nahm.
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Die iranische Christin Zahra (Hannah) Gholami ist aus der Haft entlassen worden. Das gab die Menschenrechtsorganisation „Article 18“ (London) am 16. Oktober bekannt. Demnach wurde der 36-Jährigen Anfang Oktober mitgeteilt, dass sie im Rahmen einer allgemeinen Amnestie begnadigt worden sei. Die genauen Gründe für die Begnadigung sind bislang nicht bekannt. Damit muss die Konvertitin die verbleibende Zeit ihrer zweijährigen Haftstrafe nicht mehr verbüßen. Insgesamt verbrachte Gholami rund die Hälfte ihrer Strafe hinter Gittern.
Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA hatten Gholami zur „Gefangenen des Monats August 2026“ benannt und dazu aufgerufen, sich in Briefen an den iranischen Präsidenten Massud Peseschkian für ihre Freilassung einzusetzen.
Festnahme bei Razzia in Hauskirche
Gholami war am 11. Dezember 2023 bei einer Razzia in der Bezirkshauptstadt Shahriar festgenommen worden. Rund 30 Geheimdienstmitarbeiter hatten den Gottesdienst einer Hauskirche gestürmt, zu dem sich etwa zwei Dutzend Personen versammelt hatten. Die iranischen Behörden betrachten Hauskirchen als „staatsfeindliche“ Gruppen.
Am 2. Juli 2024 verurteilte das Revolutionsgericht des Bezirks Shahriar Gholami wegen „Gründung“ und „Mitgliedschaft“ in einer „Gruppe oder Vereinigung mit dem Ziel, die nationale Sicherheit zu untergraben“ zu zwei Jahren Haft. Nachdem die Rechtsmittel erfolglos waren, musste die Christin die Haft im November 2025 antreten. Hinter Gittern erkrankte sie und durfte im Februar 2026 einen mehrmonatigen Hafturlaub aus medizinischen Gründen antreten. Am 29. Juni musste Gholami zurückkehren.
Laut „Article 18“ wurde ihr im August mitgeteilt, dass sie den Rest ihrer Strafe außerhalb der Haftanstalt verbringen könne, indem sie sich täglich zur Arbeit in einer staatlichen Fabrik melde. Rund zwei Monate später folgte nun die vollständige Freilassung.
Von den rund 90 Millionen Einwohnern Irans sind etwa 98 Prozent Muslime. Der Anteil der Christen liegt laut Schätzungen christlicher Hilfswerke bei rund einem Prozent.