- ANZEIGE -
E-Paper Abo Anmelden

Ressorts

icon-logo

Gesellschaft

Politik und Kirchen verurteilen antisemitische Übergriffe

14.05.2021

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Foto: PR/ Thomas Köhler
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Foto: PR/ Thomas Köhler

Berlin/Hannover/Frankfurt (IDEA) – Vertreter aus Politik und Kirchen in Deutschland haben antisemitische Übergriffe und Demonstrationen verurteilt. In den vergangenen Tagen hatten Demonstranten unter anderem vor Synagogen in Bonn und Münster israelische Fahnen verbrannt sowie vor der Synagoge in Gelsenkirchen in Sprechchören antisemitische Parolen gerufen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte gegenüber der BILD-Zeitung (Ausgabe vom 14. Mai), die Bedrohung von Juden in Deutschland sei durch nichts zu rechtfertigen. Wer auf den Straßen israelische Fahnen verbrenne und antisemitische Parolen brülle, missbrauche damit die Demonstrationsfreiheit und begehe Straftaten. Diese müssten verfolgt werden. „Judenhass – ganz gleich von wem – wollen und werden wir in unserem Land nicht dulden.“

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), erklärte in einer Pressemitteilung, die Vorfälle hätten nichts mit Politik zu tun, sondern richteten sich gegen die Juden als Glaubensgemeinschaft. Die Aktionen seien nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt, denn „Antisemitismus ist keine Meinung, sondern eine menschenverachtende Haltung“.

Der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing (Limburg), erklärte nach einem Treffen mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster (Würzburg), am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Frankfurt am Main, die Angriffe auf Synagogen seien „purer Antisemitismus, der mit nichts zu rechtfertigen ist“. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass ein politischer Konflikt mit religiösem Fanatismus verbunden und aufgeladen werde.

Synagogengemeinde Bonn: Junge islamistische Männer greifen Juden an

Auf regionaler Ebene verurteilten Vertreter von Kirchen und jüdischen Gemeinden die Vorfälle. Die Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn, Margaret Traub, sagte gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“, es seien „leider immer wieder junge islamistische Männer, die uns Juden angreifen“. Der Antisemitismus komme jedoch von allen Seiten, auch von Rechten, Linken und aus der Mitte der Gesellschaft. „Die Menschen kennen keine Juden und hassen sie trotzdem.“

Der Bischof des katholischen Bistums Essen, Franz-Josef Overbeck, nannte die antisemitischen Sprechchöre in Gelsenkirchen in einer Pressemitteilung erschreckend. „Für Antisemitismus – egal von welcher Seite – ist bei uns im Ruhrgebiet kein Platz“, so der Bischof. Es sei „völlig fehl am Platz, den Konflikt aus dem Heiligen Land zu uns zu tragen“.

Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Gelsenkirchen, Heiner Montanus, und der katholische Stadtdechant von Gelsenkirchen, Markus Pottbäcker, äußerten in einer gemeinsamen Erklärung, Synagogen seien „kein Ort, um gegen die Politik Israels zu demonstrieren“. Die antisemitischen Sprechchöre seien ein Angriff auf die Demokratie und verletzten die Menschenwürde. „Mit Antisemiten haben wir nichts gemeinsam. Sie sind unsere Gegner“, so die Erklärung.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

IDEA liefert Ihnen aktuelle Informationen und Meinungen aus der christlichen Welt. Mit einer Spende unterstützen Sie unsere Redakteure und unabhängigen Journalismus. Vielen Dank. 

Jetzt spenden.