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Parzany: Kaum Übereinstimmungen in der evangelischen Kirche

16.01.2016

Der frühere ProChrist-Hauptredner, Pfarrer Ulrich Parzany. Foto: idea/Simmer
Der frühere ProChrist-Hauptredner, Pfarrer Ulrich Parzany. Foto: idea/Simmer

Schwäbisch Gmünd (idea) – In zentralen kirchlichen Fragen gibt es in den evangelischen Landeskirchen kaum noch Übereinstimmungen. Diesen Vorwurf erhob der frühere ProChrist-Hauptredner, Ulrich Parzany (Kassel), beim 4. Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd. Er fand vom 14. bis 16. Januar im Christlichen Gästezentrum Württemberg – dem Schönblick – statt. Als Beispiele nannte Parzany, dass im Blick auf die Zuverlässigkeit der Bibel, die Bedeutung Jesu Christi und seine Wiederkunft gegensätzliche Meinungen in der evangelischen Kirche vertreten würden. Auch in der evangelikalen Bewegung gebe es Unklarheiten. In der Frage, wie Christen praktizierte Homosexualität beurteilen sollten, widersprächen sich führende Repräsentanten. Die bisher gültige evangelikale Auffassung besage, dass die Bibel praktizierte Homosexualität als Sünde ansehe. Christen müssten diese Lebensweise deshalb ablehnen. Dagegen äußerte der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Präses Michael Diener (Kassel), kürzlich, dass praktizierende Homosexuelle Mitarbeiter einer evangelikalen Gemeinde sein könnten, wenn sie das für sich geistlich geklärt haben. Parzany sagte, dass sowohl er als auch Diener die Überzeugung gewonnen hätten, dass die schon länger schwelende Auseinandersetzung in die Öffentlichkeit gehöre. Sie berühre zentrale Fragen des Bibelverständnisses. Parzany räumt ein, dass der in Gang gekommene Prozess unterschiedlich bewertet werde.

Parzany: Journalisten berichten zu wenig über das Evangelium

Ferner beklagte Parzany, dass in den Medien zu wenig über das Evangelium berichtet werde. Als er den bekannten Journalist Ulrich Wickert zu dessen Zeit als Moderator der ARD-„Tagesthemen“ einmal darauf angesprochen habe, habe dieser geantwortet: „Es wird nicht über die Evangelische Kirche berichtet, da man nicht weiß, für was sie steht.“ Parzany bedauerte auch, dass die EKD die Zeitschrift „Chrismon“ jährlich mit vier Millionen Euro unterstütze, „obwohl doch dort das Evangelium gar nicht mehr vorkommt“. Möglicherweise verdrehten Journalisten die Wahrheit, wenn sie die Hintergründe von Ereignissen verschwiegen. Bei der journalistischen Arbeit müsse es um Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit gehen.

Medien nicht mit Wahrheitsanspruch überfordern

Der Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), Jörg Bollmann (Frankfurt am Main), widersprach Parzanys Ansicht, dass das Evangelium keinen Nachrichtenwert habe. So habe der „Spiegel“ an Weihnachten wiederholt Titelgeschichten gebracht, die sich mit dem christlichen Glauben auseinandersetzten. Bollmann bezweifelte, dass Journalisten die Wahrheit immer umfassend darstellen können: „Wir sollten anerkennen, dass wir die Wahrheit oft nicht finden können.“ Man überfordere die Medien mit einem absoluten Wahrheitsanspruch. Journalisten seien aber lernfähig. Bollmann erinnerte an das Gladbecker Geiseldrama vom August 1988, als eine „Medienhorde“ Bankräuber tagelang verfolgte und ihnen eine Plattform zur Selbstdarstellung bot. So etwas sei nie wieder vorgekommen.

Kompetente Mediennutzer gefordert

Einig waren sich Parzany und Bollmann über die Bedeutung von Medienkompetenz. So wie die Demokratie von mündigen Bürgern lebe, so sollten mündige Medienkonsumenten sich aus unterschiedlichen Quellen informieren. Der Kongress wurde gemeinsam von kirchlichen und evangelikalen Organisationen veranstaltet. Träger waren unter anderen die EKD, die Evangelische Landeskirche in Württemberg, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), Bibel TV, ERF Medien, die Stiftung Christliche Medien, die Stiftung Marburger Medien, der Christliche Medienverbund KEP und die Evangelische Nachrichtenagentur idea.

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