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Online-Gottesdienste: Die Anfangseuphorie sinkt

11.05.2020

Der freikirchliche Pastor Lothar Krauss. Foto: Marcus Prell
Der freikirchliche Pastor Lothar Krauss. Foto: Marcus Prell

Gifhorn (idea) – Die anfängliche Euphorie bei den Pastoren und ehrenamtlichen Mitarbeitern über die digitalen Online-Gottesdienste in der Corona-Pandemie nimmt ab. Vor allem junge Gemeinden seien zwar weiter mit großer Begeisterung dabei, aber es mehrten sich auch kritische Stimmen. Zu dieser Einschätzung kommt der freikirchliche Pastor Lothar Krauss (Gifhorn) auf seiner Internetseite „Der Leiterblog“, die pro Monat bis zu 30.000 Zugriffe habe. Krauss hat die Rückmeldungen auf seinen Blog in den vergangenen Monaten ausgewertet. Anfangs hätten sich viele Pastoren aufgrund der Ausnahmesituation „berauscht“ gefühlt, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „In wenigen Tagen hatten viele von uns einen Online-Gottesdienst auf die Beine gestellt.“ Unter normalen Umständen wäre das nicht zu schaffen gewesen, so Krauss. Doch nun kippe die Stimmung. Pastoren hätten ihm geschrieben, dass die Online-Gottesdienste dreimal so anstrengend seien wie normale Gottesdienste. Einer stellte fest: „Ich denke, das liegt an der Energie, die man sonst von den Zuhörern aus dem Raum bekommt.“ Ein anderer sei frustriert, weil durch die Pandemie „die Konsumhaltung vieler Gemeindeglieder sehr deutlich wird“. Ein anderer Pastor habe ihm geschrieben: „Die Begeisterung geht mehr und mehr flöten. Online ist nicht mein Traum vom Gemeindeleben.“ Nach den Worten von Krauss ist die Hälfte aller Pastoren, die sich bei ihm gemeldet hätten, in Sorge, ob sie nach der Pandemie das Gemeindeleben überhaupt wieder starten könnten: „Sie haben derzeit überhaupt keinen Kontakt zu ihren Mitgliedern.“ Es gebe auch andere Stimmen wie: „Ich bekomme gerade mega viele ermutigende und wertschätzende Reaktionen.“

Angebote für Kinder stark angewachsen

Wie Krauss weiter auf seiner Internetseite schreibt, zeigt die Auswertung auch, dass digital zu beten „offenbar nicht jedermanns Sache ist“. Online-Gebetsgruppen seien nicht so stark gefragt. Auch Kleingruppen mit Hilfe des Videokonferenzsystems Zoom stießen auf unterschiedliche Reaktionen. Nutzer zwischen 28 und 50 Jahren seien dafür „nicht so mega offen“. Krauss: „Rückfragen verdeutlichen, dass das auch daran liegen kann, dass Menschen in der Altersspanne eine Familienphase durchleben: Homeschooling, Homeoffice, Zoom-Meetings ohne Ende. Dann noch am Abend ein Zoom-Treffen? Besten Dank.“ Einige Ältere hätten sich dagegen „ganz auf digital eingelassen“, andere seien dagegen ganz „abgetaucht“. Online-Konzepte für Treffen, Bibelstudien und Schulungen hätten sich kaum durchgesetzt. Aber Angebote für Kinder seien stark gewachsen. Dennoch werde berichtet, „dass die echte Begegnung mit Freunden sehr vermisst wird“. Es breche die gute Gewohnheit weg, am Sonntagmorgen einen Gottesdienst zu besuchen: „Der Livestream wird nebenbei geschaut.“ Sehr stark vermisst werde das gemeinsame Singen im Online-Gottesdienst. 30 bis 50 Prozent aller ehrenamtlichen Mitarbeiter hätten sich, bezogen auf die ihm vorliegenden Rückmeldungen, zudem komplett aus der Arbeit zurückgezogen. Von den Kontaktmöglichkeiten bei den Online-Gottesdiensten machten nur wenige Nutzer Gebrauch.

Gottesdienste bleiben online

Obwohl reale Gottesdienste mit Einschränkungen – 1,5 Meter Abstand halten, kein Gesang – wieder möglich sind, macht Krauss in der von ihm geleiteten pfingstkirchlichen „Kirche im Brauhaus“ in Gifhorn davon noch keinen Gebrauch: „Ein Gottesdienst ohne gemeinsamen Gesang, herzliche Begegnung und Austausch beim Kirchenkaffee ist nicht das bewährte Format von Gottesdiensten der Kirche im Brauhaus.“ Deshalb werde seine Gemeinde noch abwarten. Ihr Online-Angebot werde sehr gut angenommen. Krauss: „Es zählt bis zu 2.700 Aufrufe pro Gottesdienst.“

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