Mittwoch • 23. September
Kommentar
16. September 2020

Der heimliche Spaltpilz der Christenheit

Dürfen Theologen in ihrer bibelwissenschaftlichen Arbeit damit rechnen, dass Wunder wirklich geschehen sind und Propheten die Zukunft vorhersagen konnten? Diese einfache Frage stand bei vielen theologischen Umwälzungen der letzten beiden Jahrhunderte mit im Zentrum. Die wunderkritische Grundhaltung vieler moderner Theologen treibt einen Keil in die Christenheit, weil sie selten offen angesprochen wird. Angesichts der weitreichenden Konsequenzen ist es höchste Zeit, das zu ändern, erklärt der christliche Blogger und Biologe Markus Till in einem Gastbeitrag für idea.

Spätestens seit dem 19. Jahrhundert forderten einflussreiche Theologen wie Ernst Troeltsch (1865–1923) und später Rudolf Bultmann (1884–1976), dass die Bibelwissenschaft genau wie die Naturwissenschaft nicht mit Wundern jenseits der Naturgesetze rechnen dürfe, sondern sich auf natürlich erklärbare Vorgänge beschränken solle. Entsprechend schreibt der Theologe Armin Baum: „Seit dem 19. Jahrhundert wird das Adjektiv ‚kritisch‘ auch mit der Bedeutung prinzipiell ,wunderkritisch‘ verwendet.“ Zur Begründung erklärte Bultmann, der Glaube „an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments“ sei für moderne, technikaffine Menschen nicht länger zumutbar, weil sie in i...

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