Freitag • 20. September
Konfession
04. September 2019

SPD-Vorsitz: Mehrheit der Kandidaten gehört keiner Kirche an

Wer wird neuer SPD-Vorsitzender? Im Oktober soll darüber abgestimmt werden. Foto: picture-alliance/AP Photo
Wer wird neuer SPD-Vorsitzender? Im Oktober soll darüber abgestimmt werden. Foto: picture-alliance/AP Photo

Berlin (idea) – Die Mehrheit der 17 Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz gehört keiner Kirche an. Das ergaben Recherchen der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Demzufolge sind zehn Bewerber konfessionslos. Vier von ihnen sind Mitglied der evangelischen Kirche. Zwei weitere Kandidaten sind römisch-katholisch und einer ist alt-katholisch. Die Bewerbungsfrist für die Kandidatur war am 1. September abgelaufen. Der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth (Berlin), gehört zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und dort auch zur Landessynode. Zudem ist er Mitglied der Kammer für Öffentliche Verantwortung der EKD. Die brandenburgische Landtagsabgeordnete Klara Geywitz (Potsdam) ist kirchenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Sie besucht die Nikolaikirche in Potsdam. Als Studentin arbeitete sie unter anderem bei dem ehemaligen brandenburgischen Minister und heutigen Pfarrer Steffen Reiche (Berlin). „Er hat meine drei Kinder getauft und ist der Patenonkel von meinem jüngsten Sohn“, schreibt Geywitz auf ihrem Internetauftritt. Ebenfalls evangelisch sind die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christina Kampmann (Bielefeld) sowie der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner (Bordesholm). Er ist auch Fraktionsvorsitzender im Landtag von Schleswig-Holstein.

ANZEIGE

Schwan: Meine Grundüberzeugung beruht auf dem christlichen Glauben

Prominenteste Katholikin in der Kandidatenriege ist die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan. Die ehemalige Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) hatte 2004 und 2009 erfolglos für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert. Sie schreibt auf ihrer Internetseite: „Meine Grundüberzeugung beruht auf meinem christlichen Glauben.“ Andersdenkenden offen und dialogbereit gegenüber zu treten, ihre Würde in Freiheit ausdrücklich zu bejahen seien für sie „fundamentale christliche Werte“. Ihr zufolge ist die Welt – als Gottes Schöpfung – nicht dem Untergang geweiht, sondern kann zum Besseren gestaltet werden. „Dies ist in unser aller Verantwortung gegeben.“ Ebenfalls römisch-katholisch ist die Vorsitzende des Forums Demokratische Linke 21, Hilde Mattheis (Ulm). Der Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner (Neu-Ulm) ist alt-katholisch. Die Alt-Katholische Kirche trennte sich nach dem Ersten Vatikanischen Konzil 1870 von „Rom“, weil sie das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes ablehnte. Sie hat in Deutschland heute rund 16.000 Mitglieder.

Olaf Scholz war einmal evangelisch

Der prominenteste Bewerber, Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz, ist konfessionslos, wie ein SPD-Sprecher auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea bestätigte. 2013 hatte der evangelisch getaufte Scholz gegenüber dem Hamburger Abendblatt gesagt, Kirche und Religion hätten für ihn einen großen Stellenwert. „Was ich zum Beispiel als Konfirmand wahrgenommen habe, hat mich beeinflusst“, so der Politiker. 2015 war er Schirmherr des 9. Kongresses christlicher Führungskräfte in Hamburg.

Weitere Kandidaten ohne kirchliche Bindung

Konfessionslos sind ferner die sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping (Dresden), die Bundestagsabgeordneten Saskia Esken (Calw) und Nina Scheer (Geesthacht), die Oberbürgermeisterin von Flensburg, Simone Lange, der Minister für Inneres und Sport von Niedersachsen, Boris Pistorius (Osnabrück), der Oberbürgermeister von Bautzen, Alexander Ahrens, der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Karl Lauterbach (Leverkusen), der ver.di-Gewerkschaftssekretär Dierk Hirschel (Berlin) sowie der ehemalige nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (Köln). Über das Amt des Parteivorsitzenden sollen die Mitglieder – nach Vorstellung der Kandidaten auf den 23 Regionalkonferenzen – im Oktober abstimmen.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser 48 Stunden kommentiert werden.

18 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Lebensrecht Ich durfte nicht Vater werden
  • Kommentar Der Kampf fürs Klima
  • Pro und Kontra Abschiebestopp für iranische Konvertiten?
  • ideaSpezial Reisen ist schön
  • Sondergemeinschaft Demut und Prunk
  • mehr ...
ANZEIGE