Mittwoch • 14. November
Pro und Kontra
30. Oktober 2018

Muss die CDU konservativer werden?

v. l.: Prof. Werner J. Patzelt und der katholische Publizist Andreas Püttmann. Fotos: TU Dresden; Privat
v. l.: Prof. Werner J. Patzelt und der katholische Publizist Andreas Püttmann. Fotos: TU Dresden; Privat

Wetzlar (idea) – Bei der Landtagswahl in Hessen verlor die CDU 11,3 Prozentpunkte. Bei Umfragen auf Bundesebene verbucht die Union historisch schlechte Werte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird im Dezember ihr Amt als Parteivorsitzende niederlegen. Muss die CDU konservativer werden, um den Abwärtstrend zu stoppen, fragt die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in einem Pro und Kontra zwei Politikwissenschaftler.

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Pro: Für einen „unverklemmten Konservativismus“

Für einen „unverklemmten Konservativismus“ plädiert Prof. Werner J. Patzelt (Dresden): „Nicht das Bewährte muss sich rechtfertigen, sondern das Neue.“ Die CDU habe sich nicht weiterhin an die Spitze gesellschaftlicher Umgestaltung zu setzen, sondern eine Hüterin von Skepsis zu bleiben. Sie müsse sich an drei Zielen orientieren: „gerechte Ordnung, Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen, aufgeklärter Patriotismus“. Nur in diesem Sinn sollte die CDU wieder konservativer werden, so Patzelt. Nach seiner Ansicht wäre eine Betonung des „Christlichen“ keine Antwort: „Eine Nichtchristen abschreckende Partei würde im Osten heute schon zur Kleinpartei.“ Zudem stimme die Auffassung nicht, „wonach sich eine konservativere CDU wieder aufs Christentum besinnen müsse“. Patzelt: „Jesu Lehre zielt nämlich auf eine bessere Welt, nicht auf die Konservierung der jetzigen.“

Kontra: Die CDU würde ihren Markenkern „C“ verlieren

Anderer Ansicht ist der katholische Publizist Andreas Püttmann (Bonn). Er verweist auf Umfragen, wonach 78 Prozent der Anhänger der Union es ablehnen, mehr nach rechts zu rücken und konservativer zu werden. Püttmann: „Im Bund verlöre so auch die CDU mehr in der Mitte, als bei AfD-Klientel zu gewinnen wäre – und um den Preis ihres Markenkerns ‚C‘“. Er verweist darauf, dass es zwar immer Schnittmengen des Christlichen und Konservativen gegeben habe: bei Lebensschutz, Bioethik und Familienbild, doch die christlichen Werte „Glaube, Hoffnung, Liebe“ könnten durchaus der konservativen Wertetrias „Arbeit, Familie, Vaterland“ auch in die Quere kommen. So sei beispielsweise die großherzige Flüchtlingsaufnahme in Deutschland zum Lackmustest geworden, „wes Geistes Kind man ist“. Ordnung und Begrenzung von Zuwanderung sind nach Püttmanns Worten christlich erlaubt, Wohlstandsegoismus und völkisches Denken dagegen nicht.

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