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Baptistenpastor
15. April 2019

Israel: Palästinensische Christen kritisieren Rechtsruck

Der Theologe und Baptistenpastor Yohanna Katanacho. Foto: www.comeandsee.com
Der Theologe und Baptistenpastor Yohanna Katanacho. Foto: www.comeandsee.com

Tel Aviv (idea) – Die protestantische Minderheit in Israel sieht den Wahlausgang im Land kritisch. Das geht aus einem Kommentar des Theologen und Baptistenpastors Yohanna Katanacho (Nazareth) für die christliche Internetseite „Come and See“ hervor. Das Ergebnis habe die politischen Kräfte gestärkt, die eine Aussöhnung zwischen Juden und Palästinensern verhindern wollten. Bei der Wahl am 9. April hatte die konservative Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu 26,45 Prozent der Stimmen erhalten. Das Mitte-Bündnis „Blau-Weiß“ seines aussichtsreichsten Herausforderers Benny Gantz erreichte 26,11 Prozent. Im israelischen Parlament, der Knesset, verfügt Netanjahu damit über 36 Sitze, Gantz über 35. Insgesamt gingen 65 der 120 Sitze an Parteien, die dem konservativen und rechten Spektrum zugeordnet werden.

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Palästinenser haben Probleme in Israel mit der Regierung

Für die christliche Minderheit sei das Ergebnis keine Überraschung, schrieb Katanacho. „Die israelische Kultur verlagert sich seit vielen Jahren in Richtung auf rechte Parteien.“ Deren Ziel sei ein jüdischer Staat mit nur einer Sprache (Hebräisch) und Einwohnern von nur einer ethnischen Herkunft (Juden). Katanacho: „In dieser Realität haben die Palästinenser in Israel ernste Probleme mit der Führung.“ Er bedauere, dass sich die palästinensische Bevölkerung in Israel nicht auf eine Partei habe einigen können. Stattdessen habe es unter ihren politischen Führern Machtkämpfe gegeben. Auch die meisten führenden jüdischen Politiker hätten versäumt, den Einwohnern des Landes eine Vision für eine gemeinsame Gesellschaft und Frieden im Land zu vermitteln. Nun seien die Kirchen gefordert: „Sie sind aufgerufen, der Politik des Hasses und der Diskriminierung mit einer Politik der Liebe zu begegnen und eine Gesellschaft zu fördern, die auf Barmherzigkeit und Gerechtigkeit beruht.“ Er räumte ein, dass viele Palästinenser in Israel keine politische Hoffnung mehr hätten und deprimiert seien. Aber Christen sollten sich nicht entmutigen lassen und für Veränderungen im Land beten. Rund 21 Prozent der 8,9 Millionen Einwohner Israels sind Araber. 75 Prozent sind Juden, von denen sich 46 Prozent als säkular bezeichnen. 17 Prozent sind Muslime, 2,1 Prozent Christen. Zum Bund der Baptistengemeinden gehören 19 Gemeinden mit 800 Mitgliedern.

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