04. Dezember 2018

DELKU

Aufbruch in der Ukraine: Neuer bischöflicher Visitator eingeführt

Pastor Paul Schwarz (Mitte) ist der neue bischöfliche Visitator der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine. Screenshot: YouTube/DELKU
Pastor Paul Schwarz (Mitte) ist der neue bischöfliche Visitator der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine. Screenshot: YouTube/DELKU

Odessa (idea) – Pastor Paul Schwarz (Charkiw) ist am 1. Dezember in der St. Katharinen Kirche in Kiew als bischöflicher Visitator der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) eingeführt worden. Die Neubesetzung war aufgrund der langjährigen Krise der Kirche notwendig geworden. Der frühere Bischof der DELKU, Sergej Maschewski (Odessa), hatte in den vergangenen Jahren Pastoren entlassen, Gemeinden enteignet, Dienstwagen beschlagnahmt, Synodale eingeschüchtert und sich für eine Machtkonzentration in seiner Person eingesetzt. Insgesamt 22 Prozesse strengte er gegen Mitarbeiter und Gemeinden an. Alles geschah unter dem Vorwand, Korruption beseitigen zu wollen. Einige Gemeinden und Pastoren blieben an der Seite Maschewskis. Die Ausgeschlossenen gründeten einen Missionsbund und nahmen Anfang Oktober gemeinsam an der Synode teil. Dort sprachen sie mit einer Zweidrittelmehrheit dem Bischof ihr Misstrauen aus. Gemäß dem Kirchenrecht der DELKU wurde er damit seines Amtes enthoben. Schwarz wird die Aufgabe als Visitator ein Jahr lang ausüben. Danach soll ein neuer Bischof gewählt werden. Bei der Einführung sagte der Vorsitzende des Bischofsrates der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Russland und anderen Staaten (ELKRAS), Bischof Alexander Scheiermann (Omsk), dass die DELKU gerade schwere Zeiten durchmache. Er warnte mit Blick auf König Nebukadnezar (Daniel 4) davor, Grenzen zu überschreiten und Gott zu missachten. Ein solcher Mensch bekomme das Herz eines Tieres und werde wie ein Tier sein. Der Prophet Daniel habe dem König bei der Deutung eines Traums den seelsorgerlichen Rat gegeben, sich von seinen „Sünden durch Gerechtigkeit loszumachen“. Scheiermann erinnerte an den „heiligen Wächter“ (Daniel 4,10), der Gottes guten Willen verkündet und in dessenAuftrag zur Umkehr gerufen habe. Laut einer Mitteilung des Generalsekretärs des Martin-Luther-Bundes, Michael Hübner (Erlangen), wünschten der Lutherische Weltbund, der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), die Auslandsbischöfin der EKD, Petra Bosse-Huber (Hannover), die Schlesische Evangelische Kirche A.B. in der Tschechischen Republik und die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche der DELKU Gottes Segen für den Neuanfang.

Maschewski lehnt Versöhnungsangebot ab

Vor der Einführung hatten fünf Pastoren, darunter der nun eingeführte Visitator Schwarz, einen Brief an Maschewski und vier weitere Pastoren geschrieben, in dem sie sich für eine Überwindung der Gräben einsetzen. Schwarz habe nun die Aufgabe, den „Prozess der Versöhnung einzuleiten“, heißt es in dem am Buß- und Bettag (21. November) verschickten Schreiben: „Wir geloben, alles zu tun, um mit Euch gemeinsam in einer Kirche mit Hilfe durch den Lutherischen Weltbund und unsere Partnerkirchen an der Versöhnung und am Wiederaufbau zu arbeiten.“ Maschewski hat sich Generalsekretär Hübner zufolge aber nicht einsichtig gezeigt und die Amtsgeschäfte bislang nicht offiziell an Schwarz übergeben. Das Schreiben habe Maschewski als „Gefasel von Geistesgestörten für schwachsinnige Leser“ bezeichnet. Er sitze weiterhin in Odessa auf dem größten Immobilieneigentum der DELKU – der St.-Paul-Kirche. Es bleibe darum noch viel zu tun beim Aufbruch und Neuanfang der Kirche, so Hübner.

Über die DELKU

Deutsche Aussiedler hatten die DELKU Mitte des 18. Jahrhunderts gegründet. In der Sowjetunion wurden ihre Kirchen geschlossen. 1992 wurde sie mit Hilfe ihrer Partnerkirche – der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern – neu begründet. Bischof war anfangs immer ein aus Bayern entsandter Geistlicher. Ziel war aber, dass die DELKU eigenständig wird und ihren Bischof selbst wählt. Maschewski – er wurde in einer russlanddeutschen Familie in Kasachstan geboren und ist deutscher Staatsbürger – setzte sich 2014 knapp durch. Er löste die presbyterial-synodal strukturierte Kirche auf und benannte eigenmächtig Synodale, die einer Machtkonzentration in seiner Person zustimmten. Ihm gegenüber kritisch eingestellte Synodale ließ er nicht zu. Er kündigte Pastoren, obwohl er damit gegen kirchliche Gesetze verstieß, da die örtlichen Gemeinderäte zustimmen müssen. Neben Haushalts- und Projektmitteln hat die bayerische Kirche auch Gehälter für Pfarrer ihrer Landeskirche übernommen, die in der Ukraine gearbeitet haben. Allein zum Wiederaufbau des Deutschen Zentrums und der St.-Paul-Kirche in Odessa wurden rund sieben Millionen Euro aufgewendet. Die Partnerschaft ruhte von Oktober 2015 bis Oktober 2018. Sie wurde nun wieder aktiviert, Gelder für Projekte werden nach Angaben der Landeskirche aber erst wieder fließen, wenn es eine verlässliche Struktur in der DELKU gibt. Ursprünglich gehörten zu ihr 31 Gemeinden. Heute sind es noch 14 Gemeinden.