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Menschenrechte
08. Oktober 2020

Pakistan: „Gefangener des Monats“ freigelassen

Der Christ Sawan Masih war am 27. März 2014 wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Foto: privat
Der Christ Sawan Masih war am 27. März 2014 wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Foto: privat

Lahore (idea) – In Pakistan ist ein „Gefangener des Monats“, der Christ Sawan Masih (40), freigelassen worden. Der Straßenreiniger aus der Großstadt Lahore war im September 2019 von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und der Evangelischen Nachrichtenagentur idea benannt worden. Beide Organisationen hatten dazu aufgerufen, sich für den Vater von drei Kindern einzusetzen und für ihn zu beten.

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Masih war am 27. März 2014 wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Er saß in einer Todeszelle des Zentralgefängnisses von Faisalabad. Ein muslimischer Nachbar hatte ihn nach einem Gespräch über Glaubensfragen angezeigt. Der Christ habe den islamischen Propheten Mohammed beleidigt, urteilte das Gericht. Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe.

Nun sprach das Oberste Gericht von Lahore Masih am 5. Oktober frei. Es folgte den Aussagen von Masihs Verteidiger Tahir Bashir, dass der Vorwurf der Gotteslästerung nur konstruiert worden und es letztlich um einen Eigentumsstreit gegangen sei. Belastbare Zeugenaussagen für den Blasphemievorwurf gebe es nicht. Die Zeugen hätten sich bei der Verhandlung 2014 in Widersprüche verwickelt.

Masih wurde auch vom Zentrum für Rechtshilfe und Abwicklung (Claas/Lahore) betreut, das Christen Rechtsbeistand gewährt. Die Organisation teilte mit, dass Masih nach Jahren „unermüdlicher Bemühungen“ nun freigesprochen sei. Man freue sich über erhörte Gebete.

Unruhen im christlichen Viertel

Nachdem Masih angezeigt worden war, kam es im März 2013 zu Unruhen in dem überwiegend von Christen bewohnten Viertel Joseph Colony. Eine Moschee rief über Lautsprecher zum Protest gegen den vermeintlichen Gotteslästerer auf. Rund 3.000 aufgebrachte Muslime drangen daraufhin zum Haus des Christen vor und zündeten 178 Häuser, 75 Geschäfte sowie zwei Kirchen an. Hunderte von Christen flohen daraufhin aus dem Viertel.

Medienberichten zufolge wurden die Christen aber auch vertrieben, um Platz für Industrieansiedlungen zu schaffen. Nach den Übergriffen wurden 115 Personen verhaftet, die aber auf Kaution freigelassen wurden und im Januar 2017 aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurden. Von den über 216 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus.

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