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Forderung
06. August 2018

Online-Petition: „chrismon“-Hetze gegen Lebensschützer stoppen

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Bedford-Strohm wird in der Petition gebeten, Konsequenzen zu ziehen. Screenshot: citizengo.org
Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Bedford-Strohm wird in der Petition gebeten, Konsequenzen zu ziehen. Screenshot: citizengo.org

Frankfurt am Main/München (idea) – Eine Online-Petition fordert die EKD auf, die in ihrem Magazin „chrismon“ (Frankfurt am Main) betriebene „Hetze“ gegen Lebensschützer zu stoppen. Anlass ist ein Porträt der Chefredakteurin Ursula Ott über die wegen unerlaubter Werbung für Abtreibungen verurteilte Gießener Ärztin Kristina Hänel. Der Beitrag in der August-Ausgabe ist überschrieben mit „Die Retterin“. Hänel war im November vom Amtsgericht Gießen zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt worden, weil sie nach Ansicht des Gerichts auf der Internetseite ihrer Praxis über Abtreibungen informiert und dafür geworben hatte. In ihrem Porträt schreibt Ott, seit dem Urteil werde Hänel durch Fernsehsendungen und die Weltpresse gereicht, von Abtreibungsgegnern schikaniert und mit Hassmails gequält. Dass auch die „selbst ernannten Lebensschützer“ sich auf Gott beriefen, könne Hänel nicht erst nehmen. Wer hasse und sich dabei auf Gott berufe, „ist in meinen Augen gottlos“, so die Ärztin: „Jesus mochte auch keine Pharisäer.“ Dazu Ott: „Und von denen gibt es viele unter den Abtreibungsgegnern.“ Zuvor hatte sich Ott in „chrismon“-Beiträgen dafür eingesetzt, den Paragraphen 219a StGB abzuschaffen, der Werbung für Abtreibungen verbietet. Die Petitionsplattform „CitizenGO“ ruft dazu auf, ein Schreiben an den EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), zu unterzeichnen. Wie es darin heißt, übersieht Ott „willentlich und wissentlich, dass Lebensschützer sich für das im Grundgesetz verankerte und vom Staat zu garantierende Lebensrecht der ungeborenen Kinder einsetzen, also in erster Linie den schutzlosesten und schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft friedlich eine Stimme verleihen“.

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EKD soll deutliches Zeichen setzen

Bedford-Strohm wird gebeten, Konsequenzen zu ziehen. Er solle durch die Entlassung von Frau Ott ein deutliches Zeichen dafür setzen, „dass diese einseitige, gegen Lebensschützer gerichtete Berichterstattung nicht die Haltung der Herausgeberschaft des Magazins chrismon bzw. der dieses finanzierenden EKD wiedergibt“. Die am 3. August veröffentlichte Petition unterzeichneten bisher über 3.522 Bürger (Stand: 7. August, 17:30 Uhr). Die EKD wollte sich nicht zu der Online-Petition äußern. Ein Sprecher versicherte aber auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass die EKD und ihr Ratsvorsitzender das Anliegen des Lebensschutzes fest im Blick hätten. „chrismon” wird 1,6 Millionen Exemplaren überregionaler und regionaler Zeitungen beigelegt. Es erscheint im Hansischen Druck- und Verlagshaus, das eine 100-prozentige Tochter des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) ist. „chrismon“ wird größtenteils von der EKD aus Kirchensteuermitteln finanziert. Wie hoch die Summe aktuell ist, teilte die EKD-Pressestelle auf idea-Anfrage im April nicht mit. Die genauen Daten wurden das letzte Mal 2012 in den Erläuterungen zum EKD-Haushaltsplan veröffentlicht. Damals erhielt „chrismon“ vier Millionen Euro.

Proteste von Evangelikalen und Lebensrechtlern

Führende Evangelikale und Lebensrechtler hatten wegen des Porträts scharfe Kritik an „chrismon“ geübt. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), zeigte sich gegenüber idea entsetzt, dass das auch mit Kirchensteuern finanzierte Magazin mit diesem Artikel „die an Einseitigkeit kaum zu überbietende Sicht von Frau Hänel“ wieder einmal und zudem ohne Gegenposition darstelle. Warum dieser Artikel mit „Retterin“ überschrieben sei, „bleibt mir ein Rätsel“, so Steeb. Damit nehme man nicht zur Kenntnis, dass es sich „bei den Abgetriebenen um Menschen handelt“. Nach Ansicht der Vorsitzenden des Bundesverbandes Lebensrecht, Alexandra Maria Linder (Weuspert/Sauerland), suggeriert „chrismon“ mit der „Homestory“ über eine Frau, die ihr Geld vor allem mit der tödlichen Beseitigung von Kindern vor der Geburt verdiene, dass hier eine großmütige und menschenfreundliche Heldin zu Unrecht vor Gericht gezerrt wurde. Dem sei nicht so, schrieb Linder in einem Kommentar für idea. Hänel werbe notorisch für ihre vorgeburtlichen Kindstötungen und verstoße damit absichtlich gegen ein Gesetz. Der frühere Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz am Sitz des Bundestages und der Bundesregierung, Wolfgang Baake (Wetzlar), äußerte auf Facebook zu dem Beitrag: „Und wieder greift die EKD nicht ein. Im Gegenteil, sie schüttet das finanzielle Füllhorn für chrismon aus. Jeder in Kirche und christlicher Publizistik, der dazu schweigt, macht sich mitschuldig.“ Es bleibe nur eine Konsequenz: „In Scharen aus den evangelischen Kirchen austreten.“

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