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Menschenrechtsanwältin
13. Mai 2019

Nach Bibi-Ausreise: Der Hass auf Christen in Pakistan wächst

Die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Maria Anthony. Foto: IGFM
Die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Maria Anthony. Foto: IGFM

Lahore (idea) – In den vergangenen Jahren hat sich die Situation für Christen in Pakistan verschlechtert. Das beklagt die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Maria Anthony (Lahore). Sie schrieb in den Mitteilungen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) an Freunde und Förderer des Werks: „Wir sehen, dass bei den Muslimen der Hass auf Christen wächst.“ Hintergrund ihrer Aussage ist, dass die pakistanische Katholikin Asia Bibi Medienberichten zufolge Anfang Mai ihr Heimatland verlassen hat und nun in Kanada ist. Sie war 2010 wegen Blasphemie (Gotteslästerung) zum Tode verurteilt worden. Im Oktober 2018 hob der Oberste Gerichtshof das Urteil auf, was zu Protesten und Ausschreitungen radikaler Muslime führte. Deswegen konnte sie das Land trotzdem monatelang nicht verlassen. Seit dem Freispruch Bibis litten die anderen wegen Blasphemie inhaftierten Christen in Pakistan umso mehr, so Anthony: „Denn radikale Organisationen versuchen nun, auf gerichtlichem, also auf legalem Wege die Verfahren zu verlangsamen, damit die Christen möglichst lange im Gefängnis bleiben müssen.“

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IGFM-Beauftragte: 200 Christen sitzen wegen angeblicher Gotteslästerung im Gefängnis

Die Hoffnung, dass Gerichte unterer Instanzen nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs nun den Mut hätten, weitere unschuldige Christen freizulassen, habe sich nicht erfüllt. Wie sie weiter sagte, werden immer wieder christliche Mädchen von Muslimen entführt und zwangsislamisiert. Die Eltern der Mädchen versuchten allein zumeist erfolglos, gerichtlich dagegen vorzugehen. Deswegen bringe sie diese Fälle, so Anthony, mit ihrer Hilfsorganisation „The Voice Society“ vor höheren Gerichten vor. Die Beauftragte für Religionsfreiheit der IGFM, Michaela Koller (Frankfurt am Main), sagte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Wir sind dankbar, dass Asia Bibi endlich in Freiheit ist und das Land verlassen konnte. Aber über die Freude dürfen wir nie vergessen: In Pakistan sitzen mehr als 1.000 Menschen unter Androhung der Todesstrafe wegen angeblicher Gotteslästerung in Gefängnissen. Rund 200 von ihnen sind Christen. Sie verdienen genauso unsere Aufmerksamkeit.“ Die Anwältin Anthony lebt weiterhin in Pakistan, obwohl bereits mehrere Anschläge auf sie verübt wurden. Im November besteht die Möglichkeit, ihre Berichte aus erster Hand zu hören: Sie wird auf dem Kongress „Christenverfolgung heute – Gedenkt der Märtyrer“ (10.–13. November) in Schwäbisch Gmünd über die Situation der Christen in dem Land sprechen. Veranstalter sind die Evangelische Nachrichtenagentur idea und das Christliche Gästezentrum Württemberg („Schönblick“) in Zusammenarbeit mit evangelischen und katholischen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen.

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