Samstag • 15. Juni
IGFM
09. Juni 2019

Menschenrechtler: Abschiebung von Konvertiten in den Iran aussetzen

Immer wieder werden Flüchtlinge in ihre Heimatländer abgeschoben. Auch vom Islam konvertierte Christen sind davon betroffen. Symbolfoto: picture-alliance/dpa
Immer wieder werden Flüchtlinge in ihre Heimatländer abgeschoben. Auch vom Islam konvertierte Christen sind davon betroffen. Symbolfoto: picture-alliance/dpa

Frankfurt am Main (idea) – Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) aufgefordert, die Abschiebung von zum Christentum übergetretenen Muslimen in den Iran auszusetzen. Die jüngsten Abschiebungsfälle zeigten, dass Konvertiten mit dem Tod bedroht seien und mit Anklagen vor Gericht wegen Apostasie (Abfall vom Glauben) rechnen müssten, heißt es in einer Pressemitteilung. IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin sagte, dass staatliche Stellen in Deutschland nicht als „Experten“ feststellen könnten, ob ein ehemaliger Muslim „glaubhaft“ Christ geworden sei: „Wer Christ geworden ist und einer Gemeinde angehört, entscheiden noch immer die Kirchengemeinden und Religionsgemeinschaften selbst. Es kann kein staatliches Glaubensprüfungsverfahren oder Glaubensprüfungsamt geben.“ Nach dem im Iran geltenden islamischen Recht könne der „Abfall vom Islam“ mit dem Tod bestraft werden. Häufig würden aber die eigentlichen Haft- oder Hinrichtungsgründe von der iranischen Justiz verschleiert, indem etwa Anklagen nicht veröffentlicht oder Akteneinsicht verweigert werde, so die IGFM. Außerdem ergingen viele Urteile unter vorgeschobenen Anklagen wie „Vergehen gegen die nationale Sicherheit“.

ANZEIGE

Das Auswärtige Amt kann das Leben der Frau retten

Anlass für die Forderung der IGFM ist unter anderen der Fall einer 58-jährigen iranischen Christin, die am 8. Mai aus Deutschland in die Islamische Republik Iran abgeschoben wurde. Die iranische Justiz hat gegen sie ein Gerichtsverfahren eröffnet, wie die Flüchtlingsbeauftragte des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises, Christine Deutscher (Greifswald), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea berichtete. Die drei erwachsenen Söhne der Frau, die in Deutschland leben, hätten mehrfach mit ihr telefoniert. Sie sei äußerlich unversehrt, jedoch nach ihrer Ankunft im Iran mehrere Tage inhaftiert worden. Gegen die Hinterlegung einer Hauskaufurkunde durch eine Verwandte als Kaution sei sie momentan auf freiem Fuß, dürfe aber Teheran nicht verlassen. Die IGFM forderte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) auf, über die deutsche Botschaft im Iran Prozessbeobachter für das Verfahren gegen die abgeschobene iranische Christin zu stellen. Nach Einschätzung der IGFM könne das Auswärtige Amt „durch offen demonstriertes Interesse“ das Leben der Frau retten.

Hessen: „Christliche Initiative Herborn“ fordert Bleiberecht für eine iranische Christin

Die 58-Jährige ist kein Einzelfall. Derzeit ruft etwa die „Christliche Initiative Herborn“ dazu auf, am 15. Juni um 11 Uhr in der mittelhessischen Stadt Herborn an einem Gebetsmarsch für die von einer Abschiebung bedrohten Christin Mahsa (Name aus Sicherheitsgründen geändert) teilzunehmen und eine Petition an den Hessischen Landtag zu unterschreiben, die eine Bleiberecht für Mahsa fordert. Der Initiative zufolge ist Mahsa in einer wohlhabenden muslimischen Familie im Iran aufgewachsen. Nachdem sie durch eine Kollegin Kontakt zu einer Hausgemeinde bekam und Christin wurde, musste sie fliehen. Polizisten hätten in ihrem Zimmer eine Bibel gefunden und sie habe eine Vorladung vor das Islamische Revolutionsgericht bekommen. Im Herbst 2015 sei sie in Deutschland angekommen und 2016 in Frankfurt getauft worden. Ihr Antrag auf Asyl wurde laut der „Christlichen Initiative Herborn“ ebenso abgelehnt wie eine Klage gegen diese Ablehnung. Zuletzt sei auch die Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht nicht zugelassen worden. Vor dem Hintergrund sei Mahsa ein Fall für die Härtefallkommission. Die „Christliche Initiative Herborn“ besteht aus Christen aus dem mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser 48 Stunden kommentiert werden.

2 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Reinhardt Schink „Die Vielfalt unserer Gesellschaft soll sich auch in der Allianz widerspiegeln“
  • Kinderrechte Das Erziehungsrecht der Eltern wird ausgehebelt
  • Pro und Kontra Auf die alten Sprachen verzichten?
  • Gebetsfrühstück Gebet als Kraftspender
  • Gerhard Maier Streiflichter eines Altbischofs
  • mehr ...
ANZEIGE