Freitag • 22. September
„Marsch für das Leben”
11. September 2017

Kirchen positionieren sich unterschiedlich

Der „Marsch für das Leben” findet am 16. September in Berlin statt. Foto: idea/kwerk.eu
Der „Marsch für das Leben” findet am 16. September in Berlin statt. Foto: idea/kwerk.eu

Berlin (idea) – Die beiden großen Kirchen in Deutschland positionieren sich unterschiedlich zum „Marsch für das Leben“ am 16. September in Berlin. Während der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die Demonstration in einem schriftlichen Grußwort ausdrücklich unterstützt, wird der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (beide München), wie in den Vorjahren keine Grüße übermitteln – so die EKD-Pressestelle auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der Marsch, zu dem Tausende Christen erwartet werden, steht unter dem Motto „Die Schwächsten schützen: Ja zu jedem Kind“. Er beginnt mit einer Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude – dem Sitz des Deutschen Bundestages – und endet mit einem Ökumenischen Gottesdienst, in dem der katholische Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer predigen wird. Kardinal Marx wünscht dem Marsch „einen guten Erfolg und eine rege Teilnahme“. Er dankt allen Beteiligten für ihren Einsatz für das Leben.

ANZEIGE

Kardinal Marx: Ungeborene Kinder ebenso schützen wie geborene

Nach seinen Worten setzt sich die katholische Kirche seit jeher dafür ein, die Würde des Menschen vom Augenblick der Zeugung an zu achten und das Leben der ungeborenen Kinder ebenso zu schützen wie das der geborenen. Marx zufolge wird es in der Gesellschaft zunehmend „normal“, Kinder während der Schwangerschaft auf ihre Gesundheit zu testen. Dies habe zur Folge, dass nicht selten eine Abtreibung an die Stelle fehlender Therapiemöglichkeiten gestellt werde: „Dem gilt es klar zu widersprechen.“

EKD: Wir setzen auf Hilfe statt auf Strafrecht und Druck

Die EKD will sich zu dem Marsch nicht konkret äußern. Im Vorfeld erklärte eine EKD-Pressesprecherin auf idea-Anfrage grundsätzlich: „Die EKD ist dankbar für jedes Engagement für den Lebensschutz.“ Das habe sie in ihren Stellungnahmen immer wieder deutlich gemacht. Im Blick auf den Schwangerschaftskonflikt laute ein wichtiger Grundsatz der EKD „Mit den Frauen, nicht gegen die Frauen“. Zum Schutz des ungeborenen Lebens setzten die Gliedkirchen der EKD auf Hilfe, Ermutigung, Beistand und Liebe statt auf Strafrecht und Druck. Als einziger landeskirchlicher Spitzenrepräsentant hat bisher der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), Grüße übermittelt. Grußworte schickten ferner unter anderen der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos (Bonn), und der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Ansgar Hörsting (Witten). Zu den Hauptunterstützern des vom Bundesverband Lebensrecht veranstalteten Marsches gehört die Deutsche Evangelische Allianz, deren führende Vertreter – der Vorsitzende Ekkehart Vetter (Mülheim/Ruhr) und Generalsekretär Hartmut Steeb (Stuttgart) – mitwirken werden.

Führender Pietist: Der Marsch schärft die Gewissen

Hinter die Demonstration stellt sich auch der Vorsitzende des (pietistischen) Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Württemberg „Die Apis“, Steffen Kern (Stuttgart). Die Demonstration schärfe die Gewissen und trage zur ethischen Orientierung bei, schreibt er in seinem Grußwort unter der Überschrift „Alles für das Leben!“. Kern ist auch Mitglied der EKD-Synode.

Parzany: Wir dürfen uns an das Unrecht nicht gewöhnen

Der Vorsitzende des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), fordert im Blick auf die Tötung ungeborener Kinder: „Wir dürfen uns an das Unrecht nicht gewöhnen.“ Im Blick auf die Gegendemonstrationen bei dem Marsch schreibt er: „Wir dürfen uns von der Feindschaft und dem Hass, der uns entgegenschlägt, nicht einschüchtern und lähmen lassen.“

Bundestagsvizepräsident Singhammer (CSU): Das Leben ist ein Geschenk Gottes

Auch Politiker aus den Unionsparteien begrüßen den „Marsch für das Leben“. Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) erklärt in seinem Grußwort: „Das Leben ist vom Beginn bis zum Tod ein Geschenk Gottes.“ Der Mensch könne daher nicht von sich aus Anfang und Ende bestimmen. Der Weg zu einem besseren Schutz ungeborener Kinder sei „steinig und lang, aber notwendig, um ein menschliches Leben in Würde für alle zu sichern“. Im vergangenen Jahr beteiligten sich 7.500 Bürger an dem Marsch. 1.300 Polizisten schützten sie vor Übergriffen linksradikaler Gegendemonstranten. Auch in diesem Jahr sind wieder Proteste geplant. Das nach eigenen Angaben queer-feministische und antifaschistische Bündnis „What the Fuck“ fordert dazu auf, den Marsch zu verhindern.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser sieben Tage kommentiert werden.

8 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Katrin Göring-Eckardt „Ökologie ist eine Existenzfrage“
  • Berlin Marsch für das Leben
  • Pro & Kontra Säkulare Lieder ins Gesangbuch aufnehmen?
  • Dankbarkeit Es geht uns besser als wir glauben!
  • Bundestagswahl Ein ungewöhnlicher AfD-Kandidat
  • mehr ...
ANZEIGE