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Diakonie
03. April 2020

Immer mehr Frauen suchen Schutz vor Zwangsprostitution

Durch die aktuelle Corona-Krise verschlechtert sich die Lage der Zwangsprostituierten zusätzlich. Symbolbild: pixabay.com
Durch die aktuelle Corona-Krise verschlechtert sich die Lage der Zwangsprostituierten zusätzlich. Symbolbild: pixabay.com

Düsseldorf/Hagen (idea) – Immer mehr Frauen suchen Schutz vor Zwangsprostitution bei den Beratungsstellen für die Opfer von Menschenhandel der Diakonie Rheinland Westfalen Lippe (Diakonie RWL). Das teilte der in Düsseldorf und Münster ansässige Dachverband auf seiner Internetseite mit.

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So sei die Zahl der Hilfesuchenden bei der Beratungsstelle der Diakonie Mark-Ruhr in Hagen 2019 auf 63 Frauen gestiegen. Im Vorjahr waren es 36. Die meisten von ihnen seien erst Anfang 20 und kämen aus afrikanischen Ländern. Die Mehrzahl von ihnen habe Kinder.

Hintergrund der Entwicklung sei ein Boom der Sexbranche in Deutschland. Sie setze pro Jahr schätzungsweise 15 Milliarden Euro um, so die Diakonie RWL. Der Weg ausländischer Frauen laufe fast immer nach dem gleichen Muster ab. Zunächst werde ihnen in ihren Herkunftsländern ein „guter Job“ in Deutschland versprochen. Dann würden sie mit gefälschten Papieren in deutsche Bordelle gebracht und gezwungen, dort „ihre Schulden abzuarbeiten“.

Die Menschenhändler forderten nicht selten Beträge von bis zu 60.000 Euro. Zudem würden sie misshandelt und vergewaltigt. Wegen ihres illegalen Aufenthaltsstatus und fehlenden Sprachkenntnissen sähen sie keine andere Möglichkeit als zu gehorchen. Wenn die Frauen fliehen könnten, zeigten sie dennoch die Täter meist nicht an, da sie oft deren wahre Identität nicht kennen oder Angst vor ihnen haben.

Betroffene können zurzeit nicht in die Beratungsstellen

Durch die aktuelle Corona-Krise verschlechtere sich die Lage der Zwangsprostituierten zusätzlich, erklärte Sozialarbeiterin Margarete Kummer von der Diakonie Mark-Ruhr gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Wegen des Kontaktverbots könnten Schutzsuchende die Beratungsstellen nicht persönlich aufsuchen.

Da viele der betroffenen Frauen kein Mobiltelefon besäßen, hätten sie kaum eine Möglichkeit, Kontakt zu den Beraterinnen aufzunehmen. Die Diakonie Rheinland Westfalen Lippe unterhält weitere Fachberatungsstellen für Opfer von Menschenhandel in Dortmund, Herford, Soest und Herne.

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