Dienstag • 10. Dezember
Kritik
26. November 2019

Württemberg: Umstrittener Werbespot zur Kirchenwahl

Die bestellten Getränke verwandeln sich in Wein. Screenshot: Evangelische Landeskirche in Württemberg
Die bestellten Getränke verwandeln sich in Wein. Screenshot: Evangelische Landeskirche in Württemberg

Stuttgart (idea) – Ein Werbespot der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zur Kirchenwahl am 1. Dezember stößt auf Kritik, aber auch auf Zustimmung.

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In dem Kurzfilm, der zur Erhöhung der Wahlbeteiligung beitragen soll, ist ein Mann zu sehen, der in einer Bar mehrere Cocktails bestellt. Doch jedes Mal verwandelt sich sein Getränk in Wein. Später ist zu erkennen, dass der Mann lange Haare und einen Bart hat, also den populären Jesus-Darstellungen entspricht. Es erscheint der Schriftzug „Er hätte gern die Wahl gehabt! Du hast sie!“ mit einem Aufruf, bei der Wahl die Stimme abzugeben.

Als der Mann, der offensichtlich Jesus darstellen soll, später im Badezimmer mit Bademantel beim Zähneputzen gezeigt wird, verwandelt sich auch das Wasser im Zahnputzbecher in Wein, worauf er mit genervtem Blick nach oben schaut.

Tobias Eißler: Geschmacklos und gefährlich

Der Vorsitzende der Pfarrerarbeitsgemeinschaft Confessio, Tobias Eißler (Ostfildern), nannte den Werbespot gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea „geschmacklos, geistlos und gefährlich“: „In einem Kinospot will man cool rüberkommen, hip, witzig. Der Werbespot der württembergischen Kirche an der Bar hätte geistreich geraten können. Wenn zum Beispiel der Barmann verschiedene Getränke ausgibt, die kirchenpolitische Richtungen symbolisieren. Und wenn dann Jesus auftritt, alle Gläser beiseiteschiebt und das Wasser des Lebens reicht.“ Denn letztlich gehe es in der Kirche nur um ihn.

Stattdessen aber sei man als Christ von diesem Werbespot „peinlich berührt“. Bei einem Witz komme es darauf an, auf wessen Kosten er gehe. Die Produzenten hätten aber offenbar nicht bedacht, dass der Clip „Jesus zur Witzfigur“ mache: „Theologievergessene Kirchenfunktionäre werden darüber schmunzeln.“

Der biblisch Gebildete wisse jedoch, dass das zweite Gebot „Gottes Name, Person und Ehre unter Schutz“ stelle: „Wer den Heiligen ins Lächerliche zieht, beweist damit, dass er nicht weiß, mit wem er es zu tun hat. Wer meint, man könne mit dem da oben sein Spiel treiben, gleicht einem Kind, das einen Löwen kitzelt.“

Landeskirche: Hauptsächlich positive Reaktionen

Der Sprecher der württembergischen Landeskirche, Oliver Hoesch (Stuttgart), teilte idea auf Nachfrage mit, dass bisher hauptsächlich positive Reaktionen auf den Werbespot eingegangen seien. Der Film, der in Zusammenarbeit mit der Agentur Kniff in Stuttgart konzipiert worden sei, rege zum „Gespräch, zum Fragen und Diskutieren“ an.

Durch die große Aufmerksamkeit, die er in den Medien erzeuge, bringe er die Kirche außerdem ins Gespräch. Das Ziel sei vor allem, junge Menschen zu erreichen, die nicht regelmäßig sonntags in den Gottesdienst gingen.

Das Video enthalte keine theologischen Botschaften. Stattdessen werde den Mitgliedern der Landeskirche mit einer gewissen „Selbstironie“ und „mit einem Augenzwinkern“ vermittelt, dass sie die Möglichkeit hätten, wählen zu gehen.

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