Sonntag • 20. August
Agent*In
09. August 2017

Vorstand der Böll-Stiftung entschuldigt sich für Online-Pranger

Mitglied im Vorstand der Heinrich-Böll Stifftung, Ellen Ueberschär. Foto: picture-alliance/dpa
Mitglied im Vorstand der Heinrich-Böll Stifftung, Ellen Ueberschär. Foto: picture-alliance/dpa

Berlin (idea) – Wenige Tage nachdem das „kritische Online-Lexikon zum Antifeminismus“ namens „Agent*In“ vom Netz genommen wurde, hat sich der Vorstand der zuständigen Heinrich-Böll-Stiftung für das Projekt entschuldigt. „Wir bedauern sehr, dass durch die gewählte Form manche an antidemokratische Methoden erinnert werden und entschuldigen uns bei denjenigen, die sich möglicherweise persönlich verletzt fühlen“, heißt es in einer Erklärung auf der Seite der Stiftung. Die öffentlich und intern geübte Kritik am Format der „Agent*In“ habe deutlich gemacht, „dass dieser Weg nicht geeignet ist, die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung zu Antifeminismus zu führen“. Die Heinrich-Böll-Stiftung stehe im In- und Ausland für eine Bildungsarbeit, die sich für Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit einsetze und dabei in ihrer Arbeit vom Respekt für Andersdenkende geprägt sei. Zugleich verteidige sie aber auch die Meinungsäußerungs- und Wissenschaftsfreiheit: „Insbesondere vor diesem Hintergrund werden wir die Kritik und Reaktionen zum Anlass nehmen, die bisherige Veröffentlichung zu überprüfen.“ Zum zweiköpfigen Vorstand der Stiftung gehört seit dem 1. Juli die Theologin Ellen Ueberschär. Sie war zuvor Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin. Die Heinrich-Böll-Stiftung steht der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe.

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Aufgeführt wurden auch theologisch konservative Christen

Der Name des Portals – „Agent*In“ – steht für „Anti-Gender-Networks Information“. In dem in die Kategorien Personen, Organisationen, Ideologien und Kampagnen unterteilten Lexikon hatte die Stiftung über Akteure informiert, die hinter den vermeintlichen Angriffen gegen Feminismus, sexuelle Selbstbestimmung und gleichgeschlechtliche Lebensweisen steckten. Aufgeführt waren dort auch viele theologisch konservative Christen, etwa der Rektor der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, Stephan Holthaus, der Evangelist Ulrich Parzany (Kassel), der Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Theologie, Christoph Raedel (Gießen), sowie der Pädagoge und Theologe Philip Kiril von Preußen (Oranienburg). Auch Lebensrechtsorganisationen wie die „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) und die „Stiftung Ja zum Leben“, die Beratungsorganisation „Team.F – Neues Leben für Familien“, die Evangelisationsbewegung proChrist und das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ (München) wurden genannt. Nach heftigen Debatten war das Portal aus dem Internet genommen worden.

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