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Agent*In
05. August 2017

Online-Pranger der Heinrich-Böll-Stiftung aus dem Netz genommen

Das „kritische Online-Lexikon zum Antifeminismus“ namens „Agent*In“ wurde vorübergehend aus dem Internet genommen. Screenshot: www.agentin.org
Das „kritische Online-Lexikon zum Antifeminismus“ namens „Agent*In“ wurde vorübergehend aus dem Internet genommen. Screenshot: www.agentin.org

Berlin (idea) – Die Heinrich-Böll-Stiftung (Berlin) hat ihr „kritisches Online-Lexikon zum Antifeminismus“ namens „Agent*In“ vorübergehend aus dem Internet genommen. „Die Agent*In hat intensive Debatten ausgelöst und zeigt: unser politisches Anliegen ist hochaktuell und notwendig“, heißt es auf der Seite. „Bedauerlicherweise hat die gewählte Form die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung zu Antifeminismus überlagert. Deshalb werden wir die Seite erweitern und überarbeiten.“ Antifeminismus sei ein wesentliches Element der rechtspopulistischen Ideologie und Bewegung. Zunehmend fänden sich jedoch gender- und feminismusfeindliche Argumentationen auch in den Diskursen der gesellschaftlichen Mitte. Für das rund 180 Mitarbeiter umfassende Netzwerk hinter der Online-Plattform bleibe die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung dazu eine Aufgabe, der man sich stelle. Der Name des Portals – „Agent*In“ – steht für „Anti-Gender-Networks Information“. Die Heinrich-Böll-Stiftung steht der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe. Zum zweiköpfigen Vorstand der Stiftung gehört seit dem 1. Juli die Theologin Ellen Ueberschär. Sie war zuvor Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin.

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Aufgeführt waren viele theologisch konservative Christen

In dem in die Kategorien Personen, Organisationen, Ideologien und Kampagnen unterteilten Lexikon hatte die Stiftung über Akteure informiert, die hinter den vermeintlichen Angriffen gegen Feminismus, sexuelle Selbstbestimmung und gleichgeschlechtliche Lebensweisen steckten. Aufgeführt waren dort auch viele theologisch konservative Christen, etwa der Rektor der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, Stephan Holthaus, der Evangelist Ulrich Parzany (Kassel), der Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Theologie, Christoph Raedel (Gießen), sowie der Pädagoge und Theologe Philip Kiril von Preußen (Oranienburg). Auch Lebensrechtsorganisationen wie die „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) und die „Stiftung Ja zum Leben“, die Beratungsorganisation „Team.F – Neues Leben für Familien“, die Evangelisationsbewegung proChrist und das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ (München) werden genannt.

Evangelikalismus ist eine antifeministische Ideologie

Beim Thema „Ideologie“ gab es einen Eintrag über „christlichen Fundamentalismus“. Dazu zähle der Evangelikalismus und der Ultrakatholizismus. Oftmals finde sich dort eine stärkere Opposition zu nichtchristlichen Anschauungen wie Atheismus, Islam oder Judentum als in liberaleren christlichen Anschauungen, hieß es. Dem „christlichen Fundamentalismus“ wurde in dem Lexikon unter anderem die christliche Kleinstpartei „Bündnis C“, das Werk „Jugend mit einer Mission“ und das Bündnis „Demo für alle“ zugeordnet, das für eine Stärkung von Ehe und Familie eintritt.

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