Donnerstag • 2. Juli
Pro und Kontra
30. Juni 2020

Sollten Christen weniger von Sünde reden?

Der Theologe und Gründer der „Jesus Freaks“-Bewegung, Martin Dreyer, und der Vorsitzende der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, Pastor Johannes Frey. Fotos: Daniel Höly; Privat
Der Theologe und Gründer der „Jesus Freaks“-Bewegung, Martin Dreyer, und der Vorsitzende der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, Pastor Johannes Frey. Fotos: Daniel Höly; Privat

Wetzlar (idea) – Gerade, wenn es darum geht, andere Menschen mit der Frohen Botschaft zu erreichen, stellt sich für Christen die Frage: Sind alte Begriffe wie Sünde heute noch zeitgemäß und der Evangelisation dienlich? Oder sollte man lieber weniger davon reden?

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Darauf antworten der Theologe und Gründer der „Jesus Freaks“-Bewegung, Martin Dreyer (Berlin), und der Vorsitzende der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, Pastor Johannes Frey (Stuhr bei Bremen), in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Pro: „Heute braucht es die Nachricht der bedingungslosen Liebe Gottes“

Dreyer plädiert dafür, den Schwerpunkt in der Evangelisation nicht auf die Sünde des Menschen, sondern vielmehr auf die Botschaft von der Liebe und Annahme Gottes zu setzen. Im 18. Jahrhundert habe die Predigt von der Sünde und drohender Strafe in der Hölle zur Erweckung geführt. Seit dem 20. Jahrhundert lebe man in einer anderen Gesellschaft. In ihr zähle nur derjenige, der etwas leiste. Menschen stünden permanent unter Druck.

„Ich habe den Eindruck, dass sich kaum jemand wohlfühlt in seiner Haut“, so der Initiator der „Volxbibel“. Viele definierten sich etwa über ihr Aussehen, die Kleidung, den Schulabschluss, Beruf oder das Einkommen. Und auch in den Kirchen sei der Leistungsdruck groß. „Da wirkt die Botschaft, dass wir schlimme Sünder sind, nur noch zerstörender.“

Heute brauche es darum vielmehr die Nachricht der bedingungslosen Liebe Gottes: „Dass da jemand ist, bei dem wir nichts leisten müssen, der uns liebt, so wie wir sind.“ Das sei auch die Botschaft Jesu gewesen, der unter den Gläubigen stets die „Superfrommen“ kritisiert, für die Sünder aber nur Worte der Liebe und Annahme gehabt habe.

Kontra: Die Sünde zu verschweigen, lässt sie nicht verschwinden

Frey hingegen warnt davor, die Sünde zu verschweigen – auch, wenn man dadurch bei anderen vielleicht besser ankomme. „Aber nur wenn wir recht von der Sünde reden, werden wir Menschen retten.“ So liege die Macht der Sünde gerade in der Heimlichkeit: „Verschweigen lässt sie nicht verschwinden.“

Die Frage sei darum nicht, „wie viel wir von der Sünde reden, sondern wie wir es tun“. So seien etwa Unrecht, Lieblosigkeit, Angst, Zwänge, kaputte Beziehungen und Tod nicht die Sünde an sich, sondern nur die Folge davon, dass Menschen selbst über ihr Leben bestimmen wollten, statt das Gott zu überlassen.

Für die Sünde habe Jesus am Kreuz bezahlt. „Liebe, Freiheit, Leben und Hoffnung findet, wer das annimmt und Gott sein Leben zurückgibt“, so der Pastor. Jedoch nehme keiner Vergebung an, der keine Schuld habe: „Darum muss die Sünde ans Licht.“

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