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Lutherbibel
04. Oktober 2017

Erläuterungen zum Abendmahl „sind ein Skandal“

Das „Abendmahl” des italienischen Malers Leonardo da Vinci ist das wohl bekannteste Gemälde des letzten Passah von Jesus und seinen Jüngern. Foto: pixabay.com
Das „Abendmahl” des italienischen Malers Leonardo da Vinci ist das wohl bekannteste Gemälde des letzten Passah von Jesus und seinen Jüngern. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Scharfe Kritik an den Erläuterungen zum Abendmahl in der revidierten Lutherbibel 2017 hat der bayerische Oberkirchenrat i. R. Claus-Jürgen Roepke (München) geübt. Sie könnten unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten, unter Verweis auf das lutherische Bekenntnis und im Blick auf die Ökumene „nur als Skandal“ bezeichnet werden, schreibt der Theologe in einem Kommentar für die Evangelische Nachrichtenagentur idea. In den Erläuterungen heißt es unter anderem, dass in den Einsetzungsworten des Abendmahls nicht die Elemente von Brot und Wein gedeutet werden, sondern deren Austeilung. Roepke fragt: „Wie soll man sich das eigentlich vorstellen? Das Sprechen und Geben, das Empfangen, Essen und Trinken – diese Vollzüge also bedeuten Leib und Blut Christi? Ereignet sich die Gegenwart des gekreuzigten und auferstandenen Christus also (nur) im Vollzug der Handlung unter Absehung der Elemente von Brot und Wein?“ Kritisch wertet Roepke auch die Aussage, dass das Abendmahl nicht durch die besondere Symbolik des Passahfestes geprägt sei. Den schlichten Bibelleser müsse diese Behauptung ziemlich irritieren. Denn die ersten drei Evangelien berichteten, dass das letzte Mahl Jesu im Rahmen einer Passahmahlzeit stattgefunden habe. Dies ist laut Roepke in der Bibelwissenschaft umstritten, werde in den Erläuterungen aber ohne weitere Erklärung als feststehende Tatsache dargestellt. Am Ende der Erläuterungen heißt es, die Einsetzungsworte deuteten nicht die speziell zum Passahfest vorgesehenen Speisen (wie Brot und Wein/d. Red.), „sondern die Zutaten jeder festlichen Mahlzeit“.

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Das Heilige Abendmahl mit Rehrücken und Sekt?

Roepke fragt, was mit dieser Spekulation beabsichtigt sei: „Soll die Eucharistie in unseren Gottesdiensten also fortan festlich mit Rehrücken und Sekt gefeiert werden? Soll sie sich letztlich ganz und gar lösen von Jesu Tischgemeinschaft zu seinen Lebzeiten und von seinem letzten Abendmahl mit den Jüngern? Sollen wir Lutheraner also in Zukunft ohne die Elemente Brot und Wein (Traubensaft) Abendmahl feiern?“

Wer kann katholischen Bischöfen das Nein zur Abendmahlsgemeinschaft verdenken?

Roepke zufolge sind die Erläuterungen zum Stichwort Abendmahl „zutiefst verwirrend, tendenziös und partiell unwissenschaftlich“. Sie seien auch von einiger ökumenischer Brisanz: „Wer kann es eigentlich römisch-katholischen Bischöfen (der Kölner Kardinal Woelki ist da keine Ausnahme!) verdenken, wenn sie sich immer und immer wieder der Forderung nach Abendmahlsgemeinschaft mit den Lutheranern verweigern? Ich – leider – nicht!“ Roepke war von 1991–2001 Oberkirchenrat für Mission, Diakonie und Ökumene im Landeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Von 1997– 2001 gehörte er zum Rat der EKD.

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