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Generalsekretär Stiba
15. August 2020

Baptisten über Homo-Trauungen: Vielleicht braucht es keine „Einigung“

Der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Pastor Christoph Stiba. Foto: Mirko Thiele
Der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Pastor Christoph Stiba. Foto: Mirko Thiele

Wetzlar (idea) – Der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), Pastor Christoph Stiba (Wustermark-Elstal bei Berlin), hat weitere öffentliche Debatten unter Evangelikalen, ob homosexuelle Christen kirchlich heiraten können, infrage gestellt.

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Hintergrund ist eine Veröffentlichung des Ärztlichen Direktors der christlichen Klinik Hohe Mark, Martin Grabe (Oberursel). Er hatte in seinem Buch „Homosexualität und christlicher Glaube: ein Beziehungsdrama“ (Francke-Verlag) einen Vorschlag für eine Einigung gemacht: „Homosexuelle Christen dürfen ebenso wie heterosexuelle Christen eine verbindliche, treue Ehe unter dem Segen Gottes und der Gemeinde eingehen und sind in der Gemeinde in jeder Hinsicht willkommen.“ Daraufhin bat die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) mehrere Freikirchen und Verbände um Stellungnahmen.

Stiba spricht sich in seinem Beitrag nun dafür aus, unterschiedliche Sichtweisen nebeneinander stehen zu lassen: „Ich glaube, dass die Grabenkämpfe, wer denn nun bibeltreu oder bibeluntreu ist, dem Wort Gottes schon genug Schaden zugefügt und das Anliegen des Evangeliums schon mehr als genug verzerrt haben.“ Diese Diskussionen hätten noch niemandem die Tür zum Glauben geöffnet: „Weil es aber um Menschen geht, mit denen wir leben, und um die Glaubwürdigkeit des Evangeliums von der Liebe und Gnade Gottes für uns alle, will ich da nicht mitmachen.“ Er sei froh und dankbar, „dass wir in unserer Freikirche in den letzten Jahren einen Weg gegangen sind, mit verschiedenen Sichtweisen in den Gemeinden gemeinsam Orte der Hoffnung in dieser Welt zu sein“.

Die Argumente sind ausgetauscht

Vielleicht, so Stiba, brauche es gar keine erneute öffentlich geführte Debatte: „Die Argumente sind ausgetauscht. Vielleicht braucht es keine ,Einigung‘. Es sei denn in der Ortsgemeinde.“ Ihm persönlich liege es wie Grabe auf dem Herzen, dass Menschen nicht aus der Gemeinde Jesu ausgeschlossen würden. „Darin liegt für mich die Stärke des Buches, in dem umfassenden thematischen Überblick und in dem Grundton, dass bei Gott alle Menschen willkommen sind – wirklich alle.“ Das müssten Christen immer wieder durchbuchstabieren und sich dabei trotz unterschiedlichen Verstehens des Wortes Gottes ergänzen.

Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden ist mit rund 80.000 Mitgliedern die größte Freikirche in Deutschland.

Bund Freier evangelischer Gemeinden: Leitbild ist die Ehe zwischen Mann und Frau

Der Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) verwies gegenüber idea auf Veröffentlichungen der Bundesleitung. Aus der Orientierungshilfe „Mit Spannungen umgehen” (2019) gehe hervor, dass der Bund FeG vom Leitbild der Ehe zwischen Mann und Frau ausgehe und dass eine Ehe bzw. kirchliche Trauhandlung von homosexuell Lebenden nicht gesehen werden könne.

Allianzvorsitzender, Pfingstler und DGD lehnen den Vorschlag ab

Zuvor hatten sich bereits mehrere Freikirchen und Verbände auf idea-Anfrage geäußert: Der Vorsitzende der Evangelischen Allianz in Deutschland, Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr), und der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) lehnten den Vorschlag Grabes ebenso ab wie der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband (DGD) und die von ihm gegründete evangelikale DGD-Stiftung, zu der die Klinik Hohe Mark gehört.

Zustimmung kommt vom scheidenden Gnadauer Präses Michael Diener

Verhaltend positiv äußerte sich der Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland, Harald Rückert (Frankfurt am Main). Uneingeschränkte Zustimmung kam auf Facebook von dem scheidenden Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Michael Diener (Kassel).

Grabe selbst schrieb in einem idea-Kommentar, dass sein Engagement für dieses Thema mit den vielen homosexuellen Christen zu tun habe, die er in der Klinik Hohe Mark kennengelernt habe. Sie hätten oft einen langen Leidensweg hinter sich. Er bekannte, dass Theologie nicht seine Kernkompetenz sei. „So möchte ich gar nicht versuchen, auf dieser Ebene über dasjenige hinaus zu argumentieren, was schon in meinem Buch steht.“

Lesen Sie auch die ausführliche Stellungnahme von Pastor Christoph Stiba.

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