Samstag • 19. Januar
Umfrage
06. Januar 2019

Wenn Muslime Frauen den Handschlag verweigern

Erneut gibt es eine Diskussion darüber, ob Muslime Andersgläubigen den Handschlag verweigern dürfen. Symbolbild: pixabay.com
Erneut gibt es eine Diskussion darüber, ob Muslime Andersgläubigen den Handschlag verweigern dürfen. Symbolbild: pixabay.com

Berlin (idea) – Fast neun von zehn Deutschen (87 Prozent) haben kein Verständnis dafür, wenn Männer in Deutschland Frauen aus religiösen Gründen den Handschlag verweigern. Nur jeder Zehnte kann das nachvollziehen. Das ergab eine Emnid-Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“. Das Blatt widmet dem Thema die Titelgeschichte und fragt: „Kann man von Muslimen in Deutschland erwarten, dass sie Frauen die Hand geben – oder ist das zu viel verlangt?“ Immer wieder kommt es zu derartigen Vorfällen. Zuletzt lehnten es am 21. Dezember in Goldbach bei Aschaffenburg drei muslimische Ringer der RWG Hanau-Erlensee ab, einer Kampfrichterin die Hand zu reichen. Die Betroffene, Ramona Scherer, disqualifizierte die drei Sportler. Direkt nach dem Kampf sagte sie in der Halle vor etwa 100 Zuschauern laut lokaler Medien: „So etwas ist mir noch nie passiert. Das ist wahnsinnig schade.“ Zum Hintergrund: Sehr religiöse Muslime betrachten die Berührung einer Frau, mit der sie nicht verheiratet sind, als „Haram“, also als verboten. Sie berufen sich dabei auf den Propheten Mohammed, der gesagt haben soll: „Es ist besser, dass einer von euch mit einem Eisenstachel in den Kopf gestochen wird, als dass er eine Frau berührt, die er nicht berühren darf.“ „Bild am Sonntag“ befragte einen der Ringer, den Bulgaren Sunay Hamidov, warum er der Ringrichterin nicht die Hand reichte. Seine Antwort: „Ich wollte nie respektlos sein, sondern den Partner der Kampfrichterin ehren.“ Und: „Ich hatte Streit mit meiner Frau, Ich wollte ihr zeigen, dass ich nur Augen für sie habe. Sie hat sich gefreut.“ Auf die Frage, ob er sich wieder so verhalten würde, sagte der Ringer: „Kein Kommentar!“ Der Präsident des Hessischen Ringer-Verbandes, Karl Rothmer (Darmstadt), kritisiert das Verhalten der drei muslimischen Ringer gegenüber „Bild am Sonntag“ scharf. Sie brächten „das gute Image des Ringens in Gefahr“. Rothmer leitete gegen die Muslime ein Verfahren wegen Rufschädigung ein.

ANZEIGE

Solche Sportler sollten sich fragen, „ob sie in einer aufgeklärten Gesellschaft richtig sind“

Die Staatssekretärin für Integration in Nordrhein-Westfalen, die Muslima Serap Güler (CDU), sagte, im Sport herrschten klare Regeln, an die sich alle halten müssten: „Wenn sie aus religiösen Gründen bestimmte Dinge nicht mitmachen möchten, müssen sie halt das Spielfeld verlassen und sich ganz grundsätzlich fragen, ob sie in einer aufgeklärten Gesellschaft, in der ein Handschlag lediglich ein Handschlag und keine Ehrverletzung ist, richtig sind.“ Laut dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek (Köln), gibt es „keine zwingenden theologischen Gründe“, den Handschlag zu verweigern.

Margot Käßmann: Russisch-orthodoxer Bischof und ein Muslim lehnten Handschlag ab

Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende und frühere hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann (Berlin) hat es nach eigenen Angaben wiederholt erlebt, dass sich Männer weigerten, ihr die Hand zu geben. Sie empfinde das als Zurückweisung, schreibt sie in „Bild am Sonntag“. Das erste Mal sei ihr das bei einer Begegnung mit einem russisch-orthodoxen Bischof passiert. Er sei der Ansicht gewesen, dass sie mit der Wahl zur Bischöfin das Bischofsamt beleidigt hätte. Später habe ihr auch ein Muslim nicht die Hand geben wollen: „Ich hatte meine freundlich zum Gruß ausgestreckt – ja und blieb so irgendwie deppert stehen, weil er seine nicht einschlug.“ Als sie dann einen Imam traf, so Käßmann, habe sie gedacht, „das versuche ich gar nicht erst. Und, Überraschung, er streckte mir seine Hand aus und schüttelte freundlich meine.“ Der Theologin zufolge kommt es auch im orthodoxen Judentum vor, dass Männer Frauen nicht die Hand reichen. Als sie 2009 mit einer kirchlichen Delegation Israel besuchte, habe ein Empfang beim Jerusalemer Bürgermeister auf der Tagesordnung gestanden. Es habe geheißen, er gebe als orthodoxer Jude Frauen nicht die Hand – „da habe ich mich für einen Altstadtbummel entschieden“. Käßmann abschließend: „Warum offenbar in allen Religionen einige Menschen mit einem entspannten Umgang zwischen Männern und Frauen derartige Probleme haben, bleibt mir ein Rätsel, Jesus jedenfalls scheint ziemlich unbefangen mit Frauen wie Männern umgegangen zu sein.“

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser 48 Stunden kommentiert werden.

27 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Christenverfolgung Neuer Index der Weltverfolgung am 16. Januar
  • Kommentar Gegen die Verrohung
  • Pro & Kontra Muss sich die Evangelische Allianz stärker öffnen?
  • 10 Gebote Du sollst nicht töten
  • Mission Fern der türkischen Heimat
  • mehr ...
ANZEIGE