Donnerstag • 20. September
Jenny Elvers
06. September 2018

Schauspielerin: Alkohol hätte mich fast das Leben gekostet

Die Schauspielerin Jenny Elvers ist seit sechs Jahren trockene Alkoholikerin. Foto: picture-alliance/Eventpress
Die Schauspielerin Jenny Elvers ist seit sechs Jahren trockene Alkoholikerin. Foto: picture-alliance/Eventpress

Hamburg/Wuppertal (idea) – Der Schauspielerin Jenny Elvers hätte ihre Alkoholsucht fast das Leben gekostet. Das sagte die 46-Jährige in dem am 5. September bei RTL ausgestrahlten Magazin „stern TV“ (Hamburg). Schon zu Beginn ihrer Karriere in den 1990er Jahren habe sie „gerne und oft getrunken“. Der Auslöser für ihre Alkoholsucht sei schließlich gewesen, dass sie sich selbst unter Erfolgsdruck gesetzt habe. Zunächst habe sie abends Rotwein getrunken, um schlafen zu können. Der Alkohol habe sich schrittweise in ihr Leben geschlichen. Irgendwann habe sie begonnen, auch tagsüber zu trinken, um „ihren Kreislauf in Schwung zu bringen“. Später habe sie zeitweise Entzugserscheinungen gehabt. So habe sie unter starkem Würgereiz gelitten und die Kontrolle über ihre Gliedmaßen verloren. Trotzdem habe sie ihre Alkoholabhängigkeit gegenüber ihrem Umfeld lange verheimlicht. Ihre Sucht wurde am 17. September 2012 durch einen Auftritt in der NDR-Sendung „DAS“ öffentlich bekannt. Dort trat sie betrunken und orientierungslos auf. Danach begab sie sich in eine Entzugsklinik. Dort erfuhr Elvers zu Beginn der Behandlung, dass sie unter diesen Umständen nur noch zwei Monate zu leben gehabt hätte. Der körperliche Entzug sei sehr qualvoll gewesen. „Das hat mich mit einer Brutalität gepackt, wie ich es mir nie ausgemalt habe“, so Elvers. Mittlerweile sei sie seit sechs Jahren trocken und „ein zufriedener, glücklicher Mensch“.

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Blaues Kreuz: Gefahren des Alkohols werden unterschätzt

Die „Suchtkarriere“ der Schauspielerin zeige, dass die Gefahr des Alkohols in der Gesellschaft unterschätzt werde, so der Evangelischen Fachverband für Suchtkrankenhilfe „Blaues Kreuz in Deutschland“ (Wuppertal). Konsum und Missbrauch würden „größtenteils als völlig normal angesehen“, sagte Bundessekretär Jürgen Naundorff gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Elvers’ ehrlicher Bericht könne „vielen alkohol- und suchtkranken Menschen in Deutschland Mut machen, endlich zu ihrer Sucht zu stehen und Hilfe anzunehmen“. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (Hamm) sind rund 1,8 Millionen Bürger alkoholabhängig. Etwa 9,5 Millionen Deutsche trinken zu viel Alkohol, 74.000 sterben jährlich an den Folgen von Alkoholmissbrauch und rund 1.300 aufgrund illegaler Drogen. Mehr als 22.000 Kinder und Jugendliche müssen wegen Alkoholmissbrauchs medizinisch behandelt werden. Das Blaue Kreuz in Deutschland unterstützt Suchtgefährdete und -kranke sowie ihre Angehörigen. An 400 Standorten mit 1.100 Gruppen- und Vereinsangeboten engagieren sich ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter vor allem für Alkohol- und Medikamentenabhängige. Geschäftsführer sind Reinhard Jahn und Matthias Vollgrebe (Wuppertal). Als Vorsitzender amtiert der Arzt Klaus-Herbert Richter (Elbingerode/Harz).

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