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Stuttgart
17. Oktober 2018

Pietistisch geprägt: Unternehmer Berthold Leibinger gestorben

Er war einer der erfolgreichsten Unternehmer in Deutschland: Berthold Leibinger. Foto: picture-alliance/dpa
Er war einer der erfolgreichsten Unternehmer in Deutschland: Berthold Leibinger. Foto: picture-alliance/dpa

Stuttgart (idea) – Mit lutherisch-pietistischen Grundsätzen wurde er zu einem der erfolgreichsten Unternehmer in Deutschland: Berthold Leibinger. Der langjährige Chef des Technologie-Unternehmens Trumpf ist am 16. Oktober im Alter von 87 Jahren in Stuttgart gestorben. Die grundlegenden Tugenden „Fleiß, Sparsamkeit, Frömmigkeit und technische Neugier“ hätten ihn von Jugend an geprägt, bekannte der langjährige Trumpf-Chef einmal. Der in Korntal bei Stuttgart aufgewachsene Leibinger arbeitete sich vom Lehrling zum Inhaber des weltweit operierenden Unternehmens hoch. Er betätigte sich auch als Erfinder und meldete mehr als 100 Patente an, zuletzt 2004. Im Alter von 75 Jahren übergab der Vater von drei Kindern den Chefposten bei Trumpf an seine Tochter Nicola Leibinger-Kammüller. Das Unternehmen ist heute der führende Hersteller von Lasern und Weltmarktführer bei Laserwerkzeugmaschinen. Es beschäftigt 13.400 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2017/18 einen Umsatz in Höhe von 3,7 Milliarden Euro.

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Leibinger brachte über zehn Millionen Euro aus dem Privatvermögen in seine Stiftung ein

Berthold Leibinger war ein engagierter Mäzen. 1992 rief er die nach ihm benannte Stiftung ins Leben. Sie unterstützt Aktivitäten in Wissenschaft, Kultur, Kirche und im Sozialbereich. Nach Angaben der Stiftung hat Leibinger mehr als zehn Millionen Euro aus seinem privaten Vermögen eingebracht und sie darüber hinaus mit einem Anteil von fünf Prozent an der Trumpf GmbH + Co. KG ausgestattet. Die Stiftung hat seit der Gründung bis Juli 2018 mehr als 17 Millionen Euro in Projekte investiert, davon 1,5 Millionen Euro für Kirchenmusik und Kirchenrenovierungen. Die Stiftung fördert auch das Stuttgarter Hospiz, die Resozialisierung von Straffälligen sowie die Rehabilitation von Psychiatriepatienten. Leibinger hat zahlreiche hohe Auszeichnungen erhalten, darunter 2006 das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2003 war er einer der Hauptredner beim Kongress christlicher Führungskräfte in Hannover. Dabei vertrat er die Ansicht, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht zum entscheidenden Lebensmaßstab werden dürfe. Wer behaupte – wie manche calvinistische Geistliche –, dass Geschäftserfolg ein Beweis für Erwählung sei, stelle das Evangelium auf den Kopf.

Evangelische Unternehmer: Er lebte die Tugenden des Pietismus vorbildlich

Leibinger engagierte sich auch im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU). Dort gehörte er von 2000 bis 2012 zum Kuratorium. „Mit den von ihm vorbildlich gelebten Tugenden des Pietismus – Fleiß, Bescheidenheit und Wahrnehmung persönlicher Verantwortung – hat Prof. Dr. Leibinger die inhaltliche Ausrichtung unseres Arbeitskreises entscheidend geprägt und unserer Arbeit eine bleibende Orientierung vermittelt“, erklärte AEU-Geschäftsführer Stephan Klinghardt (Karlsruhe). Auch der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July (Stuttgart), würdigte Leibinger: „Er war eine evangelische Unternehmerpersönlichkeit, die deutlich, engagiert und bekennend aus ihrem christlichen Glauben ihre Lebensmitte bestimmt hat.“ Seine Erfolge habe er mit anderen teilen wollen. Deshalb habe er sich vielseitig engagiert, auch in kirchlichen Stiftungen und Initiativen.

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