Montag • 18. März
Pro und Kontra
19. Februar 2019

Ist Deutschland kinderfeindlich?

v. l.: Der Leiter des Bibelseminars Bonn, Heinrich Derksen, und der Familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg. Fotos: Privat; Tobias Koch
v. l.: Der Leiter des Bibelseminars Bonn, Heinrich Derksen, und der Familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg. Fotos: Privat; Tobias Koch

Wetzlar (idea) – Deutschland hat mit knapp 1,6 Kindern pro Frau eine anhaltend niedrige Geburtenrate. Zur Bestandserhaltung der Bevölkerung wäre eine Rate von 2,1 Kindern je Frau notwendig. Laut einer Forsa-Umfrage vom vergangenen Jahr halten 39 Prozent der Bundesbürger Deutschland nicht für kinderfreundlich. Ist unser Land also kinderfeindlich? Dazu äußern sich ein Theologe und ein Politiker in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Die Politik unternimmt nicht genug, um das Wohl der Kinder zu fördern

Der Leiter des Bibelseminars Bonn, Heinrich Derksen, bejaht die Frage. Familien seien nachweislich finanziell deutlich benachteiligt gegenüber kinderlosen Ehepaaren. Die Politik unternehme nicht genug, um das Wohl des Kindes zu fördern und zu schützen: „Marode Schulen, Lehrermangel, veraltete Lehrbücher, fehlende Spielplätze und kindgerechte Einrichtungen sind nur Beispiele für eine Haltung, die nicht kinderfreundlich ist.“ Kinderarmut nehme zu in Deutschland, einem der reichsten Staaten der Welt. Die Straffreiheit der Abtreibung durch den Paragrafen 218 StGB und die „Ehe für alle“ fördern laut Derksen ebenfalls nicht den Schutz und das Wohl des Kindes. Auch die Filmindustrie trage zu einer kinderfeindlichen Mentalität bei: „In wie vielen Filmen gibt es noch eine heile Familie mit Vater, Mutter und Kindern?“ Selbst in vielen Kirchen werde nicht genug Rücksicht auf Eltern mit Kindern genommen. Dennoch gehe es in Deutschland Familien besser als in vielen anderen Ländern.

Kontra: Wir sind auf dem Weg zu einem kinderfreundlichen Land

Die Gegenmeinung vertritt der Familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg (Hamburg): „Deutschland ist nicht kinderfeindlich. Aber wir befinden uns auch erst auf dem Weg, ein wirklich kinderfreundliches Land zu werden.“ Übergeordnete Leitziele der Familienpolitik seien eine bessere Betreuungsinfrastruktur, mehr Zeit für die Familien, eine passgenaue finanzielle Unterstützung und mehr Wertschätzung. Aktuell berate man im Parlament das Familienstärkungsgesetz: „Der Kinderzuschlag, eine der zielgenauesten familienpolitischen Leistungen, wird erhöht, das Antragsverfahren vereinfacht und vor allem für mehr Familien zugänglich gemacht.“ Außerdem plane die Koalition einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter und wolle die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter vorantreiben. Weinberg erlebt nach eigenen Angaben täglich ein kinderfreundliches Deutschland: „Es packt immer jemand an, um dabei zu helfen, am Bahnhof den Kinderwagen die Treppe hochzutragen. Und das mit einem Lächeln im Gesicht.“

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