Dienstag • 13. November
Künstliche Intelligenz
17. Oktober 2018

Forscher: Der Mensch wird nicht die Krone der Schöpfung bleiben

Der Mitgründer und Chefwissenschaftler der Firma NNAISENSE, Prof. Jürgen Schmidhuber. Foto: picture-alliance/KEYSTONE
Der Mitgründer und Chefwissenschaftler der Firma NNAISENSE, Prof. Jürgen Schmidhuber. Foto: picture-alliance/KEYSTONE

München (idea) – Der Mensch wird nicht die Krone der Schöpfung bleiben. Künstliche Intelligenz wird das „ganze Universum umgestalten“. Diese Ansicht vertrat der Mitgründer und Chefwissenschaftler der Firma NNAISENSE, Prof. Jürgen Schmidhuber (Lugano/Schweiz), beim 5. Evangelischen Medienkongress am 16. Oktober in München. Ihm zufolge macht die Forschung zur Künstlichen Intelligenz rasante Fortschritte, etwa bei der Sprach- und Schrifterkennung. Die Firma NNAISENSE will eine „Allzweck-Künstliche Intelligenz“ entwickeln. Ihr Ziel sei es, alle Probleme zu lösen, „die ich selber nicht lösen kann“, so Schmidhuber. Am Anfang sei ein neuronales Netzwerk „dumm wie ein Baby“, es lerne aber schnell dazu und werde intelligenter. Schon jetzt gebe es Roboter, die sich selbst Ziele setzen könnten, um die Welt zu verbessern. Sie seien „kleine Wissenschaftler“, die mit „künstlicher Neugier“ ihr Wissen über die Welt erweiterten. Die technologische Evolution sei deutlich schneller als die biologische Evolution. Der Schritt zu menschenähnlicher Künstlicher Intelligenz werde innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte erfolgen. Es sei einfach, Künstliche Intelligenz zu ethischem Verhalten zu erziehen. Schmidhuber: „Es wird alles gut werden.“

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Journalist: Es wird immer schwerer, zwischen Mensch und Maschine zu unterscheiden

Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar (Köln) sagte, es werde immer schwerer, zwischen Mensch und Maschine zu unterscheiden. So sei es einer Künstlichen Intelligenz des Unternehmens Google gelungen, bei einem Friseurstudio telefonisch einen Termin zu verabreden, ohne dass die Maschine vom Gesprächspartner als solche erkannt wurde. Spracherkennungsprogramme wie Alexa und Siri versuchten bereits, Stimmungen und Krankheiten des Nutzers zu erkennen. Denkbar sei, dass ein Unternehmen wie Google künftig eine eigene Krankenversicherung anbiete, weil es aufgrund von Nutzerdaten – etwa Suchanfragen zu Krankheitsbildern – Vorhersagen zur gesundheitlichen Entwicklung machen könne. Offen sei allerdings, ob Künstliche Intelligenz nur Unternehmen oder der Allgemeinheit zugutekäme. Yogeshwar ist Autor des Buches „Nächste Ausfahrt Zukunft: Geschichten aus einer Welt im Wandel“.

Kirchenpräsident Jung: Was Mensch und Maschine unterscheidet

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung (Darmstadt), erklärte, der Mensch habe gegenüber Künstlicher Intelligenz den Vorzug, sich seiner selbst bewusst zu sein. Der Mensch sei mehr als bloße Materie, sondern ein von Gott geschaffenes und von ihm angesprochenes Wesen. Der Mensch sei ein „Geheimnis des Lebens“, das nicht rational erklärbar sei. Zugleich sei der Mensch nicht perfekt, sondern fehleranfällig. Die Gesellschaft müsse darüber diskutieren, was es bedeutet, wenn hochintelligente Algorithmen den Mensch besser kennten als dieser sich selbst. Zudem biete Künstliche Intelligenz biete ein „Totalitarismuspotential“. Anders als Menschen könnten Maschinen keine Verantwortung tragen. Jung ist Autor des Buches „Digital Mensch bleiben“.

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