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07. Oktober 2018

Evangelikale Schulen boomen

Eine Grundschule in Jena startete bereits im Herbst 2017. Foto: Privat
Eine Grundschule in Jena startete bereits im Herbst 2017. Foto: Privat

Wetzlar/Karlsruhe (idea) – Immer mehr Kinder besuchen eine evangelikal-orientierte Schule in freier Trägerschaft. Das ergab eine Umfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Die Schülerzahl dieser Bekenntnisschulen stieg im Vergleich zum Jahr 2017 um 3,2 Prozent – von 40.580 auf 42.148. Bei 71 Prozent der Einrichtungen nahm die Schülerzahl zu, während sie bei 22 Prozent zurückging. Die restlichen sieben Prozent der Schulen hielten die Schülerzahl konstant. Neu eröffnet wurden zwei adventistische Schulen in Mannheim und Nürnberg, eine Stadtteilschule sowie ein Gymnasium in Hamburg. Eine Grundschule in Jena startete bereits im Herbst 2017.

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Werte sind in der Gesellschaft gefragt

Der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS, Karlsruhe), dem die meisten der befragten Schulen angehören, vertritt bundesweit die Interessen von christlichen Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft. Sein Generalsekretär, Wolfgang Stock, erklärt die große Nachfrage damit, dass Werte in der Gesellschaft stark gefragt seien. Daher suchten vor allem christliche Eltern gezielt Schulen aus, die sie vermittelten. Das gelte aber auch immer mehr für kirchenferne Familien. Den Widerspruch, kein Kirchenmitglied zu sein und trotzdem die eigenen Kinder auf eine christliche Schule zu schicken, erklärt Stock folgendermaßen: „Vielleicht machen unsere gläubigen Lehrer etwas anders als die Kirchen – sie sind ganz authentisch Christen.“ Das spürten auch Menschen, die bisher wenig mit dem Christum zu tun gehabt hätten. Sie kämen wie selbstverständlich an die Schulen und wollten, dass ihre Kinder von Christen unterrichtet werden. Fächerübergreifend orientierten sich alle Unterrichtsinhalte an der Bibel beziehungsweise an einer lebendigen Jesusbeziehung. Dabei werden moderne Lern- und Lehrmethoden eingesetzt, vielerorts haben christliche Schulen eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung. Neben den klassischen Lehrbüchern kämen auch Tablets zum Einsatz. Ein weiterer Grund für die große Nachfrage seien kleinere Klassen und damit eine bessere individuelle Förderung als an staatlichen Einrichtungen.

Kein Lehrermangel an Bekenntnisschulen

Die Ausbildungsstätten des Verbandes Evangelischer Bekenntnisschulen seien ohne Lehrermangel in das neue Schuljahr gestartet, so Stock: „Auch wir spüren den Pädagogenmangel, aber Gott hat uns wieder wunderbar versorgt: Nahezu alle Stellen waren zum Schuljahresbeginn besetzt!“ Teilweise müssten auch Quereinsteiger eingestellt werden, aber keinesfalls in dem Maße, wie das in einigen Bundesländern bei den staatlichen Schulen der Fall sei. „Stundenausfall ist bei uns ein Fremdwort.“ Diese Tatsache sei „bemerkenswert“, da an staatlichen Schulen viele Stellen nicht besetzt werden könnten – in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen an Grundschulen etwa 30 Prozent. Dennoch suchten auch die Bekenntnisschulen weiterhin nach qualifizierten und gläubigen Pädagogen, da die Nachfrage von Eltern weiterhin sehr groß sei und die derzeitigen Angebote übersteige. Für die Zukunft sei eine eigene Lehrerausbildung wünschenswert. Stock erhofft sich Unterstützung durch christliche Gemeinden: „Es wäre schön, wenn Jugend- und Gemeindeleiter für den Lehrer- und Erzieherberuf werben – es ist ein vielfach unterschätztes Grundrecht in unserer Verfassung, dass wir in Bekenntnisschulen nicht nur Kindern von Gott erzählen dürfen, sondern dass unser gesamter Schulalltag von unserem evangelischen Bekenntnis geprägt sein muss!“ Die Gründung freier konfessioneller Schulen ist im Grundgesetz in Artikel 7 Absatz 4 und 5 als Grundrecht verankert.

Der Staat könnte mehr tun

Die Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden sei gut: „Wir sind sehr dankbar, dass in Hamburg zwei neue Schulen gegründet werden konnten. Dass die Schulbehörde sie sofort staatlich anerkannt hat, zeigt die hohe Wertschätzung, die christliche Bekenntnisschulen nicht nur bei Eltern, sondern auch in den Behörden und in der Politik genießen.“ Dennoch wünscht sich Stock eine stärkere Unterstützung: „Es wäre wünschenswert, wenn die Bundesländer unsere Schulen genauso finanzieren wie die staatlichen.“ Es sei unfair, dass die Bekenntnisschulen Elternbeiträge erheben müssten. „Da wir Christen Schule für alle – auch gerade für finanziell schwächere Gesellschaftsgruppen – machen, wollen wir den Elternanteil gering halten.“ Das gehe oft auf Kosten der Lehrergehälter. Der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen vertritt derzeit 143 Bildungseinrichtungen an 81 Standorten.

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