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Frage der Woche
03. Juni 2020

Ein Viertel der Deutschen begrüßt muslimische Gebete in Kirchengebäuden

Sollten Kirchen Muslimen ihre Räumlichkeiten zum Beten zur Verfügung stellen? Foto: pixbay.com
Sollten Kirchen Muslimen ihre Räumlichkeiten zum Beten zur Verfügung stellen? Foto: pixbay.com

Erfurt/Wetzlar (idea) – Ein Viertel der Bundesbürger (26 Prozent) findet es gut, Kirchengebäude während der Corona-Pandemie für Muslime zum Gebet zur Verfügung zu stellen, wenn die Räumlichkeiten der muslimischen Gemeinden zu klein sind. Das ergab eine Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere (Erfurt) im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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42 Prozent der Befragten halten es nicht für gut, wenn Kirchen ihre Häuser für betende Muslime öffnen. 20 Prozent wissen nicht, wie sie dazu stehen, 11 Prozent machten keine Angabe.

Von den jungen Befragten zwischen 18 und 29 Jahren begrüßten mit 36 Prozent besonders viele die Gastfreundschaft der Kirchen (dagegen: 28 Prozent). In den anderen Altersgruppen überwog die Ablehnung, besonders deutlich bei den 50- bis 59-Jährigen (dafür 18 Prozent, dagegen 48 Prozent).

Im Osten mehr Ablehnung als im Westen

Im Osten Deutschlands finden es nur 19 Prozent der Bürger gut, wenn Muslime in kirchlichen Gebäuden beten dürfen (dagegen 44 Prozent), in den westlichen Bundesländern sind es 28 Prozent (dagegen 42 Prozent).

Die Ablehnung überwiegt in allen befragten Konfessionen, am deutlichsten bei den Katholiken (dafür 27 Prozent, dagegen 46 Prozent). Bei den landeskirchlichen Protestanten finden 31 Prozent die vorübergehende Öffnung gut, 42 Prozent sehen dies nicht so. Bei den befragten Freikirchlern sprachen sich 32 Prozent dafür aus, während 37 Prozent dagegen sind. Bei den konfessionslosen Umfrageteilnehmern begrüßen es 23 Prozent, wenn die Kirchen in der Krise ihre Türen für betende Muslime öffnen. 45 Prozent sind anderer Meinung.

Für die Erhebung wurden 2.047 erwachsene Personen im Zeitraum zwischen dem 29. Mai und dem 2. Juni befragt.

Anlass für die idea-Umfrage war, dass die evangelische und katholische Kirche in Berlin kleinere Religionsgemeinschaften eingeladen hatten, während der CoronaKrise Gottesdienste in ihren Räumlichkeiten zu feiern. Ein solches Angebot sprach dann unter anderem die Evangelische Martha-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg aus. Sie ermöglichte es Muslimen während des Ramadans, freitags in ihrer Kirche zu beten, weil diese größer ist und dort die Corona-bedingten Abstandsregeln einfacher einzuhalten sind. Dafür wurden jeweils die Stühle herausgeräumt.

Wie die Pfarrerin der Gemeinde, Monika Matthias, idea mitteilte, habe man, weil im Islam das Bilderverbot wichtig sei, das verhüllt, was leicht verhüllt werden konnte. Dies habe man als Gemeinde angeboten. Vieles sei aber sichtbar geblieben, etwa die Buntglasfenster mit biblischen Frauengestalten und die Jesusstatue am Eingangsportal.

Im Interview mit „domradio.de“ (Köln) sagte Matthias, dass sie der muslimische Gebetsruf immer sehr berühre: „Der geht bei mir durch die Ohren ins Herz und führt bei mir dazu, mich mit der höchsten und tiefsten Wirklichkeit zu verbinden.”

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