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Theologe Bretschneider
05. Februar 2018

„Gott sei Dank, dass die Mauer weg ist“

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, am 3. Oktober 1990 erfolgte die Wiedervereinigung Deutschlands. Foto: pixabay.com
Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, am 3. Oktober 1990 erfolgte die Wiedervereinigung Deutschlands. Foto: pixabay.com

Berlin (idea) – Frühere evangelische Kirchenvertreter in der DDR haben den Fall der Berliner Mauer als Wirken Gottes bezeichnet. Der Anlass: Am 5. Februar gibt es die Mauer genauso lange nicht mehr, wie sie zuvor gestanden hat – nämlich jeweils 28 Jahre, 2 Monate und 27 Tage. „Gott sei Dank, dass die Mauer weg ist“, sagte der 75-jährige Theologe Harald Bretschneider (Dresden) gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der frühere sächsische Oberlandeskirchenrat ist Initiator der Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“. „Wir haben damals in den Jugendgruppen die Bibel als frohe Botschaft gelesen – aber immer auch vor dem politischen Hintergrund.“ Deshalb hätten gerade Christen, zum Beispiel mit den Friedensgebeten oder der Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“, damals Zeichen setzen und Gesellschaft mitgestalten können. Das sei auch ausschlaggebend für den Fall der Berliner Mauer gewesen. Damals wie heute hätten Christen die Aufgabe, neben dem festen Vertrauen auf biblische Zusagen auch Verantwortung zu übernehmen.

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Küttler: „Die Wahrheit hat gesiegt“

Der ehemalige Plauener Superintendent Thomas Küttler (Leipzig) sagte gegenüber idea: „Mit dem Fall der Mauer hat die Wahrheit gesiegt.“ Der 80-Jährige gehörte zu den maßgeblichen Initiatoren der Friedensgebete und Demonstrationen gegen das DDR-Regime während der Friedlichen Revolution 1989. Mit einer beherzten Rede verhinderte er damals eine Eskalation und den Einsatz von Gewalt. Später nannte er die Friedliche Revolution ein „Wunder Gottes vor unseren Augen“. Der frühere Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, Werner Leich (Eisenach), äußerte jetzt gegenüber idea: „Ohne den Mut der Demonstranten während der Friedlichen Revolution in der DDR gäbe es heute keine deutsche Einheit.“ Der 90-jährige Leich war während des Mauerfalls Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. An der Spitze der thüringischen Kirche stand er 14 Jahre lang bis zum Frühjahr 1992. Der konservative Lutheraner beteiligte sich als „Bischof der Wende“ an der politischen und kirchlichen Wiedervereinigung Deutschlands.

Bürgermeister: Die Erinnerung an die Mauer als Mahnung sehen

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), rief dazu auf, die Erinnerung an die Mauer auch als Mahnung zu sehen: „Wir sind verpflichtet, uns weiterhin denjenigen entgegenzustellen, die Hass und Vorurteile schüren, die unsere gemeinsamen Wertevorstellungen und unsere Einheit gefährden. Sie dürfen keine neuen Mauern zwischen uns bauen.“ Am 13. August 1961 hatte die Regierung der DDR mit dem Bau einer Mauer begonnen, um Flüchtlingsströme von Ost- nach Westdeutschland zu unterbinden. Die Grenzlinie zog sich über 160 Kilometer und wurde militärisch abgesichert. Viele der rund 5.000 Fluchtversuche endeten tödlich oder im Gefängnis. 239 Menschen starben. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, am 3. Oktober 1990 erfolgte die Wiedervereinigung Deutschlands.

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