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Einsamkeit
07. Juli 2019

Bordgeistliche auf Kreuzfahrtschiffen: Viele fliehen vor Schwierigkeiten

Gerade in einer schönen Umgebung ist die Einsamkeit präsent, so die pensionierte Pfarrerin Katharina Plehn-Martins. Symbolbild: pixabay.com
Gerade in einer schönen Umgebung ist die Einsamkeit präsent, so die pensionierte Pfarrerin Katharina Plehn-Martins. Symbolbild: pixabay.com

Frankfurt am Main (idea) – Unter den Gästen auf Kreuzfahrtschiffen gibt es neben Glückseligkeit auch oft viel Not. Das berichtet die pensionierte Pfarrerin Katharina Plehn-Martins im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Ausgabe 7. Juli). Sie war bislang auf sieben Kreuzfahrten ehrenamtlich als Seelsorgerin tätig. Sie erlebe, dass viele Gäste versuchten, vor ihren Schwierigkeiten zu fliehen. Doch wer einen Partner verloren habe oder alleine sei, werde auf hoher See von den Problemen des Alltags mit voller Wucht eingeholt: „Gerade in einer schönen Urlaubsumgebung ist die Einsamkeit erbarmungslos präsent, weil man die Eindrücke nicht teilen kann.“ Auf einem Kreuzfahrtschiff sei es häufig einfacher, mit Menschen ins Gespräch zu kommen: „Menschen öffnen sich eher, weil sie genau wissen, dass die Reise in naher Zukunft vorbei sein wird.“ Es entstehe schneller ein Vertrauensverhältnis, weil man sich auf begrenztem Raum täglich treffe und unterhalte. Im Laufe einer Reise steige die Teilnehmerzahl an Gottesdiensten und Andachten. Wenn am Ende 15 Menschen regelmäßig erscheinen, sei die Auslastung im Vergleich zu Ortsgemeinden in Städten wie Berlin prozentual gesehen „gar nicht schlecht“, so Plehn-Martins.

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Kritik an der Kreuzfahrtbranche ist berechtigt

Wie sie weiter sagte, ist die Kritik berechtigt, dass Kreuzfahrtschiffe riesige Dreckschleudern seien. Sie selbst arbeite nur auf kleineren Schiffen mit bis zu 800 Passagieren. Diese trügen zur „wahnsinnigen Ökobilanz“ sehr wenig bei. Der Kreuzfahrttourismus nehme aber Dimensionen an, die kein Meer verkraften könne. Auf einem „Tanker“ bis Platz für bis zu 6.000 Passagieren werde man sie nicht finden, so Plehn-Martins.

Plehn-Martins: Das Mittelmeer ist zu einem Todesmeer geworden

Auf dem Mittelmeer sei sie wegen der Flüchtlingsboote nicht mehr tätig. Es sei zu einem „Todesmeer“ geworden. „Sehr gut“ finde sie, dass die EKD ein Flüchtlingsschiff ins Mittelmeer entsenden wolle, auch wenn es – gemessen an der Zahl der Flüchtlinge – nur Symbolcharakter habe. 2015 habe sie noch zwei Reisen, für die sie bereits vertraglich gebunden gewesen sei, übernehmen müssen. Das habe sie „unglaublich unglücklich“ gemacht. Sie habe sich dann entschieden, unter den Gästen und bei den Mitarbeitern das Bewusstsein für das Leid im Mittelmeer zu wecken. So habe sie in jedem Gottesdienst für die Flüchtlinge gebetet: „Und ich war doch ziemlich erschrocken darüber, wie wenige Leute sich vorher darüber Gedanken gemacht haben.“ Plehn-Martins war bis zu ihrem Ruhestand Pfarrerin in Berlin. Sie ist Autorin des Buches „Segen auf See“ (Patmos Verlag).

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