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Friedliche Revolution
07. Oktober 2019

Ministerpräsident Haseloff würdigt die Kirchen als Brückenbauer

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU). Foto: Rayk Weber
Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU). Foto: Rayk Weber

Braunschweig/Magdeburg (idea) – Die Bedeutung der Kirchen für die Gesellschaft hat der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), herausgestellt: „Die Kirchen sind wichtig, weil sie für ein humanes Menschenbild einstehen“, sagte er dem Magazin „Evangelische Perspektiven“ der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig aus Anlass der Friedlichen Revolution und der Grenzöffnung 1989.

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Er räumte ein, dass die Zahl der Kirchenmitglieder im Osten „vergleichsweise“ gering sei. Doch nicht ihre Zahl, sondern ihre Ausstrahlung sei entscheidend: „Die Kirche kann Brücken bauen zwischen Menschen und Gruppen, die im Konflikt miteinander leben.“ Wenn es die Kirche nicht gäbe, würde ein wichtiger Vermittler von Werten und Orientierung fehlen, sagte der Katholik. Teile des Gebietes der braunschweigischen Kirche liegen in Sachsen-Anhalt.

Ostdeutsche nicht stigmatisieren

Zu den Erfolgen der AfD in Ostdeutschland sagte Haseloff, dass es dort „mehr Menschen gibt, die sozial sehr schwierige Verhältnisse erlebt haben oder immer noch in ihnen leben“. Die soziale Frage sei neben der generellen Richtungsfrage, wohin sich eine Nation innerhalb der globalisierten Welt entwickeln sollte, der entscheidende Punkt, der sich aber in einer Markt- und Wettbewerbsgesellschaft nicht ohne weiteres auflösen lasse.

Deswegen würde es schon viel helfen, „wenn eine erneute Stigmatisierung der Ostdeutschen unterbleiben würde, nach dem Motto: Das sind alles keine richtigen Demokraten“, so Haseloff. Der Rechtsextremismus sei vielmehr ein gesamtdeutsches Problem: „Die Westdeutschen können ihre Verantwortung dafür nicht an die Ostdeutschen delegieren, zumal die wichtigsten Führungsleute (der AfD, d. Red.) aus dem Westen stammen.“ Haseloff ist davon überzeugt, dass „die ungeordnete Aufnahme vieler Flüchtling 2015“ den Erfolg der AfD begünstigt habe: „Wenn wir die AfD zurückdrängen wollen, brauchen wir eine gelingende Flüchtlingspolitik.“ Eine Zusammenarbeit mit der AfD sei für ihn undenkbar, „weil sie in Teilen rechtsextremes Gedankengut pflegt und einen Jargon verwendet, der an die unseligen Zeiten des Nationalsozialismus erinnert“.

Das Magazin „Evangelische Perspektiven“ wird kostenlos an alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Landeskirche versandt. Eine digitale Ausgabe kann auf der Internetpräsenz der Landeskirche heruntergeladen werden.

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