Montag • 15. Juli
Kirchentagspräsident Leyendecker
17. Juni 2019

Die AfD radikalisiert sich immer weiter

Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Hans Leyendecker. Foto: DEKT/robert gross photography
Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Hans Leyendecker. Foto: DEKT/robert gross photography

Wetzlar (idea) – Beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund (19.–23. Juni) soll darüber diskutiert werden, wie man mit „Hetzern und Rassisten“ zurechtkommt und wie man mit AfD-Mitgliedern in der Kirchengemeinde umgeht. Das sagte der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Hans Leyendecker (Leichlingen/Bergisches Land), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Nach seinen Worten ist die Aussage „Hetzer, Rassist und AfD-Mann“ ein Gleichklang. Zwar gebe es in der AfD auch enttäuschte Menschen, die man früher in der CDU oder in der SPD getroffen habe. Leyendecker: „Aber sie geben den Hetzern und Rassisten in der AfD ein Alibi. Und das nehme ich ihnen übel.“ Leyendecker bekräftigte die Entscheidung des Kirchentags, AfD-Repräsentanten nicht auf Podien zu Wort kommen zu lassen. Wer fordere, die AfD einzuladen, nehme nicht wahr, dass die AfD sich immer weiter radikalisiere. In der Partei richteten sich viele gegen Demokratie und Pressefreiheit und dächten über eine Systemveränderung nach. Der Kirchentag sei gegründet worden, weil die Kirchen im Kampf gegen die Nazis versagt hätten. Er sei strikt dagegen, mit Leuten, „die Nazis sind oder nichts gegen Nazis haben“, zusammenzuarbeiten. Leyendecker: „Ich sehe bei der AfD keinen Menschen, den ich einladen möchte.“ So wolle er nicht mit AfD-Parteichef Alexander Gauland diskutieren, weil dieser „bei allen Dementis gegenüber Rassismus und Hetze jemand ist, der für das Zusammenhalten dieses Haufens steht“. Zum Einwand, der Kirchentag treibe der AfD mit seiner Entscheidung noch mehr Wähler zu, sagte Leyendecker, es sei zur Masche der AfD geworden, sich in einer Opferrolle zu sehen. Die AfD sei aber kein Opfer, sondern Täter.

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Kirchentag lädt zum „Vulven malen“ ein

Leyendecker äußerte sich auch zur Kritik an den auf dem Kirchentag angebotenen Veranstaltungen „Vulven malen“ und „Schöner kommen. Zur Sexualität von Frauen“. Dabei gehe es um Körpererfahrung sowie die Annahme und Wertschätzung der eigenen Körperlichkeit. Zum Menschsein gehörten auch Fragen zur Sexualität. Der Kirchentag sei sehr vielfältig und müsse das auch sein: „Er soll wiedergeben, was die Gesellschaft bewegt, und er soll versuchen, Brücken zwischen unterschiedlichen Sichtweisen zu schlagen.“ Das gelte für Glaubensfragen, aber auch für gesellschaftliche Debatten. Er selbst sei vor allem an Glaubensveranstaltungen interessiert, so Leyendecker. Dazu zählten etwa die Bibelarbeit am Morgen, der Christustag auf dem Kirchentag am 20. Juni sowie der Segen am Abend. Veranstalter des „Christustages Westfalen“ sind das Institut für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste der Evange­lischen Kirche von Westfalen, der West­fälische Gemeinschaftsverband, die Geistliche Gemeinde-Erneuerung Westfalen, die Stiftung Creative Kirche, der CVJM­-Gesamtverband, die ChristusBewe­gung Lebendige Gemeinde, die Evange­listenschule Johanneum und das Theolo­gisch-­Pädagogische Seminar Malche.

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