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Evangelikale in Baden
08. August 2018

Kirchenpapier „Christen und Muslime“ fehlt Klarheit

Wird in der Bibel und im Koran der gleiche Gott beschrieben? Foto: picture-alliance/Frank May
Wird in der Bibel und im Koran der gleiche Gott beschrieben? Foto: picture-alliance/Frank May

Karlsruhe (idea) – Evangelikale Repräsentanten in Baden haben sich kritisch zu dem im Juli veröffentlichten Gesprächspapier „Christen und Muslime“ der Landeskirche geäußert. Es soll Impulse für den interreligiösen Dialog geben. Nach Angaben der Kirche orientiert sich das Papier am Gedanken der christlich-muslimischen Weggemeinschaft. Zum Gottesverständnis heißt es: „Wir verehren als Christen und Muslime den einen Gott, den wir Christen dreieinig bekennen.“ Das Papier soll bis 2019 in allen Kirchenbezirken diskutiert werden, bevor die Landessynode 2020 aufgrund der Rückmeldungen eine Erklärung verabschiedet. Auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea nehmen der Vorsitzende der ChristusBewegung Baden, Pfarrer Lothar Mößner (Pfinztal), und der Landessynodale Pfarrer Theo Breisacher (Karlsbad) vom „Netzwerk evangelischer Christen in Baden“ gemeinsam Stellung. Nach ihren Worten ist das Papier zwar „deutlich besser“ als eine erste Fassung vom Frühjahr. Anstelle von klaren Aussagen finde sich aber bei vielen Themen ein „sowohl als auch“. Zwar heiße es, dass Mission wichtig sei. Zugleich werde aber die entscheidende Frage letztlich umgangen, ob sich Muslime dem Glauben an Jesus Christus zuwenden müssen, um das ewige Heil zu erlangen. Ferner werde auf der einen Seite festgehalten, dass Christen auch im Dialog keine Abstriche bei ihrem Glauben an den dreieinigen Gott machen können: „Gleichzeitig wird aber so sehr die Unverfügbarkeit Gottes betont, dass man den Eindruck gewinnen kann, Muslime seien mit ihrem Verständnis von Gott, der keinen Sohn hat, genauso nahe an der wahren Gotteserkenntnis dran wie die Christen.“ Es sei zu befürchten, dass dieses „sowohl als auch“ die Leser eher verunsichere, statt ihnen eine klare Orientierung zu geben.

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Wie soll ein gemeinsames Beten gehen?

Eine Schwäche des Papiers liege ferner darin, dass man von einem muslimischen Gesprächspartner ausgehe, der im Islam eine eher liberale Haltung vertrete und zudem großes Interesse am interreligiösen Gespräch und gemeinsamen Aktivitäten zwischen Christen und Muslimen habe. Solche Islam-Repräsentanten stünden für einen „eher kleinen Teil der Muslime“ in Deutschland. Laut Mößner und Breisacher müsste deshalb noch viel stärker die Frage bedacht werden, „wie der Dialog auch mit den anderen – vermutlich der großen Mehrheit – sinnvoll gestaltet werden kann“. Beide Theologen äußern sich auch dazu, dass die Autoren des Papiers interreligiöse Feiern für möglich halten. Differenzen würden dabei bewusst ausgeklammert: „Wie ein solches gemeinsames Beten genau gehen soll, wenn Christen ‚ihren‘ Gott nur als dreieinigen Gott glauben können, die gleichzeitig mitbetenden Muslime aber genau das ablehnen, wird leider nicht näher erläutert.“ Die komplette Stellungnahme ist abrufbar unter www.netzwerk-baden.de/aktuelles.

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