Samstag • 20. Juli
Pro und Kontra
25. Juni 2019

Geht der Ökumene die Luft aus?

v.l.: Der Publizist und Initiator des katholischen Jugendkatechismus YOUCAT, Bernhard Meuser, und der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke. Fotos: Privat; Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
v.l.: Der Publizist und Initiator des katholischen Jugendkatechismus YOUCAT, Bernhard Meuser, und der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke. Fotos: Privat; Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe

Wetzlar (idea) – Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund hat es kaum ökumenische Veranstaltungen gegeben. Manche Katholiken haben das kritisiert. Die Ökumene laufe „auf Sparflamme“ und der „begeisterte Aufschwung“ im Zuge der ökumenischen Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum 2017 sei vorüber. Die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) nahm diese Äußerungen zum Anlass, in ihrer Serie „Pro und Kontra“ zu fragen: „Geht der Ökumene die Luft aus?“

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Katholik: Die Jesus-Ökumene lebt in Augsburg und Wien

Skeptisch zum Zustand der Ökumene äußerte sich der Publizist und Initiator des katholischen Jugendkatechismus „YOUCAT“, Bernhard Meuser (Aschau im Chiemgau): „Mir geht es wie vielen Katholiken, denen es im Traum nicht eingefallen wäre, noch zum Kirchentag zu fahren. Was soll ich dort?“ Er fühle sich dort fremd, seitdem „selbst vernünftige evangelische Theologen – sie sind keine Fundamentalisten, ordnen nur den Zeitgeist dem Wort Gottes unter – von Kirchenleitungen ausgegrenzt werden“. Er habe lange gedacht, dass es unter Christenmenschen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gebe. Doch das sehe er inzwischen anders. So habe er keine Lust, Mutter Erde anzubeten. Meuser: „Ich möchte Jesus, meinem Herrn, zujubeln.“ Weiter schreibt er: „Und was soll ich mit Leuten, die in puncto Abtreibung wackeln und sich ethisch wie Lianen winden, um nur ja auf dem CSD-Wagen (CSD: Homosexuellenparade Christopher-Street-Day, Anm. d. Red.) schunkeln zu dürfen?“ Die Jesus-Ökumene lebe etwa auf der MEHR-Konferenz und zuletzt in Wien bei dem pfingstkirchlich-charismatischen Erweckungskongress „Awakening Austria“ (Österreich aufwecken). Die viertätige charismatisch orientierte Glaubenskonferenz „MEHR“ in Augsburg mobilisierte Anfang 2017 ebenso über 10.000 Christen aus ganz Europa wie „Awakening Austria“ Mitte Juni in Wien.

Catholica-Beauftragter: Auf allen Ebenen wird weitergearbeitet

Anderer Meinung ist der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (VELKD), der Landesbischof der Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, Karl-Hinrich Manzke (Bückeburg). Für alle vom ökumenischen Geist Bewegten gelte: „Leidenschaft und Geduld sind unverzichtbar.“ Seit dem ökumenisch bedeutsamen Jahr des Reformationsjubiläums 2017 gehe es auf allen Ebenen weiter: „Die beiden Kirchen arbeiten aktiv und entschlossen zusammen, um beispielsweise Polizisten bei belastenden Aufgaben seelsorgerlich und in ethischen Entscheidungssituationen zu unterstützen.“ Dabei würden sich evangelische und katholische Geistliche selbstverständlich vertreten. Manzke: „Das gilt auch für andere Bereiche des öffentlichen Lebens – wie die Seelsorge an Kranken und Gefangenen.“ Der Religionsunterricht entwickele sich in einigen Bundesländern deutlich in die Richtung, „dass zukünftig weitestgehend konfessionell-kooperativ unterrichtet wird“. Und die in Deutschland besonders dringliche Frage der Gemeinschaft beim Abendmahl habe seit der Veröffentlichung der Orientierungshilfe der deutschen Bischöfe 2018 noch einmal neue Fahrt aufgenommen. Die Empfehlung gelte, dass die katholischen Pfarrer evangelische Ehepartner von Katholiken zur Kommunion mit einladen dürften. Manzke: „Das Wort Jesu gilt uneingeschränkt, dass diejenigen, die an ihn glauben, ‚alle eins sind’, um das Zeugnis von ihm nicht zu verdunkeln.“

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