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Belarus
18. September 2020

Pastoren aus 50 Gemeinden rufen zu Frieden und Versöhnung auf

In Belarus haben evangelische Pastoren aus mehr als 50 Gemeinden in einem „Offenen Brief an das belarussische Volk“ zu Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung aufgerufen. Foto: pixabay.com
In Belarus haben evangelische Pastoren aus mehr als 50 Gemeinden in einem „Offenen Brief an das belarussische Volk“ zu Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung aufgerufen. Foto: pixabay.com

Minsk/Dietzhölztal (idea) – In Belarus haben evangelische Pastoren aus mehr als 50 Gemeinden in einem „Offenen Brief an das belarussische Volk“ zu Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung aufgerufen. Davon berichtet der Direktor der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Weltweiten Evangelischen Allianz, der Theologieprofessor Johannes Reimer (Dietzhölztal/Mittelhessen), in einem Bericht auf der Internetseite des evangelikalen Dachverbandes.

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Bei der am 9. August beendeten Präsidentschaftswahl hatte der seit 1994 regierende Herrscher Alexander Lukaschenko nach offiziellen Angaben rund 80 Prozent der Stimmen erhalten. Zehntausende Bürger gehen seitdem auf die Straße und werfen dem Regime Wahlfälschung vor.

Pastoren fordern Freilassung der zu Unrecht Verhafteten

Die Unterzeichner rufen die Sicherheitsbehörden dazu auf, jegliche Gewalt gegen friedliche Bürger in der Opposition sofort einzustellen, die zu Unrecht verhafteten und verurteilten Personen aus der Haft zu entlassen, die Präsidentschaftswahlen zu untersuchen und im Falle einer Wahlfälschung Neuwahlen durchzuführen sowie ein gerechtes Sicherheits- und Rechtssystem in Belarus zu schaffen.

Bürgerrechtlerin Tichanowskaja will die Wahl gewonnen haben

Reimer zufolge geht die parteilose Bürgerrechlerin und Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja davon aus, dass nicht Lukaschenko, sondern sie die Wahl mit über 60 Prozent der abgegebenen Stimmen gewonnen hat. Allerdings habe Lukaschenko alle Gespräche darüber verweigert.

Wie der Theologe, der an der Theologischen Hochschule des Bundes Freier evangelischer Gemeinden Missiologie und Interkulturelle Theologie unterrichtet, weiter schreibt, ist es „unwahrscheinlich“, dass Lukaschenko auf die Stimme der evangelischen Geistlichen hört: Vielmehr sieht er die Gefahr, dass die Unterzeichner „verhört, verfolgt, verhaftet und gefoltert werden“. Ferner ruft Reimer dazu auf, für die Unterzeichner um Gottes Schutz zu beten. Die Weltweite Evangelische Allianz vertritt nach eigenen Angaben 600 Millionen Christen in 129 Ländern.

EKD-Auslandsbischöfin solidarisch mit Demonstranten

Unterdessen hat sich die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber (Hannover), solidarisch mit den Demonstranten in Belarus erklärt: Sie teile deren „Verlangen nach einem Ende der staatlichen Repression“, schrieb sie in einem Brief an die Veranstalter des ökumenischen „Gebetes für Belarus“, das am 19. September in Köln stattfinden wird.

Sie schloss sich den Worten eines Gebetsaufrufes an, den Vertreter des Polnischen Ökumenischen Rates für ihr Nachbarland formuliert haben. Darin wird für ein Ende der Repression, den Dialog zwischen Staat und Zivilgesellschaft und „die Kraft, den Tätern zu vergeben“, gebetet.

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