Samstag • 23. Februar
Seyran Ates
09. Februar 2019

Kirchen könnten gegenüber Islam viel selbstbewusster sein

Die Frauenrechtlerin und Imamin Seyran Ates. Foto: picture-alliance/dpa
Die Frauenrechtlerin und Imamin Seyran Ates. Foto: picture-alliance/dpa

Köln (idea) – Die Kirchen in Deutschland könnten im Umgang mit dem Islam „viel selbstbewusster sein“. Diese Ansicht vertritt die Mitbegründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, Seyran Ates, in einem Interview mit domradio.de (Köln). Sie verwies unter anderem auf die Kopftuch-Debatte. Dabei ließen es Kirchenleute zu, dass das Kreuz oder die Kippa mit dem Kopftuch verglichen werde. „Die Linke“ und Bündnis 90/Die Grünen machten sich dafür stark, Kreuze aus öffentlichen Räumen zu entfernen, während sie teilweise für das Kopftuch kämpften. In dieser „absurden Diskussion“ könnte, so die Juristin, die Kirche „durchaus eine etwas exponiertere Rolle einnehmen und sagen: ‚Hier geht etwas schief.‘“ Die Kirchen täten auch nicht gut daran, sich genauso wie die Politik hauptsächlich an den islamischen Verbänden zu orientieren. Diese vertreten nur einen kleinen Teil der Muslime in Deutschland.

ANZEIGE

Politiker sind „blind“ für islamische Kräfte, die die Demokratie abschaffen wollen

Ates kritisierte ferner, dass radikal-islamische Kräfte aus Ländern wie der Türkei, Saudi-Arabien und Katar starken Einfluss auf Moscheen in Deutschland nehmen. Von ihnen werde „sehr viel in einem Frömmigkeit und eine religiöse Bildung investiert, die sich gegen die Demokratie wendet“. Die Mehrheit der politischen Entscheidungsträger in Deutschland wolle das nicht sehen. Sie seien auf beiden Augen blind und wollten nicht wahrnehmen, „dass es Menschen gibt, die die Demokratie abschaffen und die Scharia einführen wollen“. Nach Ansicht von Ates könnte man durch „eine Art Moscheesteuer die Auslandsfinanzierung kappen“. So sollte die Türkei zum Beispiel nicht mehr darüber bestimmen, welcher Islam hier gelehrt und gelebt werde. Muslime in Deutschland seien verpflichtet, sich selbst um ihre Religion zu kümmern. Dass dies gelingen könne, zeige die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. Ates: „Seit mehr als eineinhalb Jahren finanziere ich hauptsächlich allein diese Moschee – durch Vorträge als Autorin und durch meine Arbeit als Anwältin, ohne dass irgendein Land mich da beeinflusst oder moderiert.“ Aufgrund von Morddrohungen wird die Rechtsanwältin rund um die Uhr von der Polizei bewacht.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser 48 Stunden kommentiert werden.

4 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Berlinale Großalarm ums Kreuz
  • DDR Linke diskreditieren die Aufarbeitung des SED-Unrechts
  • Bäckermeister Plentz Backen und beten
  • Debatte Ist Deutschland kinderfeindlich?
  • Bombenanschlag Die lebende Märtyrerin
  • mehr ...
ANZEIGE