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Politologin: Verharmlosung der Esoterik „extrem gefährlich“

11.10.2022

Esoterik-Anhänger locken damit, durch einen Zaubertrank, ein Amulett oder einer Aurachirurgie Probleme aus der Welt zu schaffen. Foto: pixabay.com
Esoterik-Anhänger locken damit, durch einen Zaubertrank, ein Amulett oder einer Aurachirurgie Probleme aus der Welt zu schaffen. Foto: pixabay.com

Berlin (IDEA) – Vor einer Verharmlosung der Esoterik hat die deutsch-polnische Politikwissenschaftlerin und Publizistin Katharina Nocun gewarnt. Viele Bürger glaubten, dass Esoterik zwar ein wenig skurril sei, aber nicht schade. „Diese Einschätzung halte ich für extrem gefährlich“, sagte Nocun in einem Interview mit dem Nachrichtenportal netzpolitik.org (Berlin).

Die Esoterik-Anhänger glaubten daran, dass es eine spirituelle Ordnung gebe, die sie durch Rituale und Gedankenkraft direkt beeinflussen könnten. „Sie glauben an so etwas wie die eigene innere Göttlichkeit.“ Gerade wenn Gesellschaften Krisen erfahren oder Einzelne persönliche Schicksalsschläge erleiden, sei „es verlockend daran zu glauben, man könne das Problem mit einem Zaubertrank, einem Amulett oder auch einer Aurachirurgie aus der Welt schaffen“. Deshalb wendeten sich jene, die ihre Verschwörungstheorien verbreiten oder ihre Heilsversprechen buchstäblich verkaufen wollten, auch oft gezielt an besonders verwundbare Gruppen.

„Unseliger Pakt“ zwischen Verschwörungsideologen und Esoterikern

Nocun zufolge lässt sich im Internet mit Esoterik „unglaublich viel Geld verdienen“. So böten unzählige „Geistheiler:innen“ Seminare an. Dort könne man etwa „zertifizierte:r Wahrsager:in“ werden. Ähnliches gebe es auch für den Verkauf esoterischer Produkte. Wer an Fortbildungen dazu teilnehme, zahle Hunderte oder Tausende von Euro und kaufe danach in großer Zahl Produkte ein, um sie weiterzuverkaufen. Am Ende seien diese Personen „nicht nur psychologisch, sondern auch ökonomisch in der Welt der Esoterik gefangen“.

Nocun zufolge gibt es auch einen „unseligen Pakt“ zwischen Verschwörungsideologen und Esoterikern“. Man habe wiederholt beobachten können, dass sie verschwörungsideologische Proteste mitorganisiert und auf den Bühnen gestanden hätten.

„Braune Esoterik“ verbreitet antisemitische Mythen

Eine weitere Schnittstelle zu den verschwörungsideologischen Corona-Protesten bilde die sogenannte „braune Esoterik“, in der auch antisemitische Verschwörungsmythen eine Rolle spielten. Nocun: „Einige braune Esoteriker:innen verunglimpfen zum Beispiel wissenschaftlich fundierte Medizin als ‚verjudet‘ und damit als bösartig.“

Die 36-jährige ehemalige Netzaktivistin und Bloggerin ist Mitautorin des Buches „Gefährlicher Glaube“ (Quadriga Verlag), in dem sie zusammen mit der Sozialpsychologin Pia Lamberty vor der „radikalen Gedankenwelt der Esoterik“ warnt.

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