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Linken-Politikerin Pau: Marx lebt, Jesus auch

20.04.2022

Petra Pau gehört seit 1998 dem Deutschen Bundestag an und ist seit 2006 auch dessen Vizepräsidentin. Foto: Deutscher Bundestag
Petra Pau gehört seit 1998 dem Deutschen Bundestag an und ist seit 2006 auch dessen Vizepräsidentin. Foto: Deutscher Bundestag

Wetzlar (IDEA) – Sowohl Karl Marx als auch Jesus Christus sind lebendig. Diese Ansicht vertritt die religionspolitische Sprecherin der Linken, Petra Pau (Berlin), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Ihr zufolge lebt bei Marx weiterhin die Methode, etwa seine Beschreibung von Gerechtigkeit und der Kampf gegen Armut. Auf die Frage, warum Jesus lebe, antwortete Pau: „Ich bezeichne mich als gläubigen Menschen. Ich bin überzeugt davon, dass Jesus heute gegen Hartz IV demonstrieren würde.“

Pau zufolge sollten sich Kinder mit der Bibel vertraut machen und sie als kulturellen Reichtum wahrnehmen. Sie setze sich dafür ein, dass der Zugang zum Religionsunterricht jedem Kind in seiner Religion offensteht. Das habe auch mit ihrer eigenen Sozialisation zu tun: Sie sei in der DDR getauft worden, habe einen evangelischen Kindergarten besucht und sei konfirmiert worden. Allerdings sei sie im Alter von 16 Jahren aus der Kirche ausgetreten.

In ihrem Programm setzt sich „Die Linke“ für einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler ein. Dazu Pau: „Ich wünsche mir, dass alle Schüler wissen, warum der Nachbar im Ramadan fastet und was Christen mit Ostern und Pfingsten verbinden.“ Der Zugang zum Religionsunterricht werde dadurch nicht infrage gestellt.

Gegen Abschaffung der Kindestaufe

Pau äußerte sich auch zur Ablehnung der Linken „einer (automatischen) Mitgliedschaft von Kindern in Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften“. Danach dürfe ein Beitritt erst nach Erreichen der Religionsmündigkeit erfolgen. Dies würde eine Abschaffung der Kindestaufe in Kirchen bedeuten.

Sie setze sich dafür ein, dass diese Position nicht mehr im nächsten Wahlprogramm stehen wird, so Pau: „Wir sind keine atheistische Partei.“ Die Linke sei sehr vielfältig und habe nicht nur konfessionslose oder atheistische Mitglieder, sondern auch Juden, Christen und Muslime.

Woran der Sozialismus gescheitert ist

Zur Frage, warum der Sozialismus bisher nirgendwo in der Welt funktioniert habe, sagte Pau, sie habe aus dem „Scheitern des Sozialismus sowjetischer Prägung“ gelernt, dass Bürgerrechte und Demokratie nie gegen soziale Gerechtigkeit aufgewogen werden dürften. Vielmehr gehörten diese zusammen. Das sei in der DDR nie gewährleistet gewesen. Problematisch sei auch die führende Rolle einer Partei, „die Andersdenkende maßregelte und alle Vielfalt abtötete“.

Zudem habe die Produktivität im Sozialismus es nicht mit der im Kapitalismus aufnehmen können. Die 1990 gegründete Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) – die Vorgängerpartei der Linken – habe mehrere Beschlüsse zum Zwang und zum Grenzregime in der DDR gefasst und um Entschuldigung gebeten.

Pau gehört seit 1998 dem Deutschen Bundestag an und ist seit 2006 auch dessen Vizepräsidentin. In der DDR arbeitete sie als Lehrerin für Deutsch und Kunsterziehung sowie als Pionierleiterin und Mitarbeiterin des Zentralrates der Freien Deutschen Jugend (FDJ). 1983 wurde Pau Mitglied in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und 1991 stellvertretende Landesvorsitzende der PDS in Berlin.

IDEA geht der Frage, welche Religionspolitik die im Deutschen Bundestag vertretenen Fraktionen wollen, in einer Serie nach. Im ersten Teil äußerte sich der religionspolitische Sprecher der Union, Thomas Rachel.

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