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Historiker: „Gendersprache“ stellt bürgerliche Gesellschaft infrage

17.08.2021

Es gibt zahlreiche Varianten gendergerechter Sprache. Foto: IDEA/Hannah Kessler
Es gibt zahlreiche Varianten gendergerechter Sprache. Foto: IDEA/Hannah Kessler

Frankfurt am Main (IDEA) – Die zunehmende Verbreitung der „Gendersprache“ bedroht die bürgerliche Gesellschaft. Das sagte Prof. Andreas Rödder (Mainz) am 16. August bei einem Vortrag auf Einladung des Hayek-Clubs in Frankfurt am Main. Laut dem Historiker zeichnet sich ein „Kulturkampf“ um die Zukunft der westlichen Zivilisation ab. Der Genderstern stehe dafür, die Zweigeschlechtlichkeit von Männern und Frauen durch das Konzept einer „fluiden“, also veränderbaren Geschlechtlichkeit zu überwinden. Die Vertreter dieser Ideologie wollten die Unterschiede zwischen den Geschlechtern überwinden.

Der Mitinitiator des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit warnte in diesem Zusammenhang vor einem Konformitätsdruck, der auf Andersdenkende ausgeübt werde. Das beginne an den Hochschulen und könne sich schnell auf die ganze Gesellschaft ausweiten. Er selbst habe den Genderstern erstmals 2018 bewusst wahrgenommen. Seitdem habe seine Verwendung in den Medien und an den Universitäten massiv zugenommen. Deshalb lasse sich nicht absehen, wie stark sich diese Entwicklung in Zukunft noch beschleunigen werde. Gerade die Corona-Krise habe gezeigt, wie schnell sich eine Gesellschaft verändern könne.

Die Einführung der Gendersprache wird autoritär verordnet

Es habe zwar schon immer einen natürlichen Sprachwandel gegeben, doch die Durchsetzung der Gendersprache sei kein Teil davon, sondern werde autoritär verordnet. Durch die Verwendung des Gendersterns entstünden „Sprachungetüme“, die nicht zur deutschen Sprache passten. Eine momentan noch recht kleine Gruppe von tendenziell linksorientierten Akademikern in Medien, Wissenschaft, Behörden und Konzernen betrachte Genderstern, Doppelpunkt und Unterstrich als Beitrag zu einer „diskriminierungsfreien“ Gesellschaft. Sie wollten „alle Geschlechter“ sprachlich sicht- und hörbar machen. Dennoch sei die Ablehnung von Genderstern und -sprache in der Bevölkerung weit verbreitet.

Zum Hintergrund: Das hatte unter anderem eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) im Juni ermittelt. Demnach lehnten 71 Prozent der Befragten die Benutzung der „geschlechtergerechten“ Sprache ab. Nur 19 Prozent bekannten sich dazu.

Wenig Widerstand von CDU und FDP

Die Befürworter ließen sich davon jedoch nicht beirren, so Rödder. Von Seiten der CDU und FDP werde ihnen dagegen bisher kein nennenswerter Widerstand entgegengebracht. Im Gegenteil solidarisierten sich selbst ihre Politiker teilweise mit der LGBTQI-Bewegung (Abkürzung für die englischen Bezeichnungen von lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, queer und intersexuell), wie das Beispiel des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) gezeigt habe.

Söder hatte beim Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Ungarn am 23. Juni eine Corona-Schutzmaske in Regenbogenfarben getragen. Der Regenbogen wird von homosexuellen und queeren Aktivisten weltweit als Symbol genutzt.

Viele bürgerliche Politiker erkennten nicht, welche Gefahren dieser neue „Kulturkampf“ der Linken für die Freiheit mit sich bringe, so Rödder. Deren Ziel sei eine Gesellschaft, in der sich Menschen nicht mehr als Individuen, sondern über ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie oder Gruppe definierten. Man müsse diesen Kampf der Linken gegen die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen auch in einem größeren Zusammenhang sehen. Abgelehnt würden nämlich auch das Konzept des Nationalstaats und der „Westen“ an sich.

Der Hayek-Club Frankfurt am Main wurde 2014 gegründet und hat 150 Mitglieder. Er ist nach dem liberalen Nationalökonomen Friedrich August von Hayek (1899–1992) benannt und setzt sich nach eigenen Angaben für eine freie Gesellschaft und Wirtschaft ein.

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