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Heilsarmee: Prostituierten mit Barmherzigkeit begegnen

01.07.2021

Die Heilsarmee ist seit 1896 in Hannover aktiv und unterhält ihr Gemeindezentrum am Rand des Rotlichtmilieus. Foto: Heilsarmee Hannover
Die Heilsarmee ist seit 1896 in Hannover aktiv und unterhält ihr Gemeindezentrum am Rand des Rotlichtmilieus. Foto: Heilsarmee Hannover

Hannover (IDEA) – Mitarbeiterinnen der Heilsarmee in Hannover machen positive Erfahrungen mit Freundschaftsbesuchen bei Prostituierten. Sie können der erste Schritt sein, um deren Leben dauerhaft zu verändern. Das berichtet die Leiterin der Freikirche in Hannover, die aus der Schweiz stammende Leutnantin (Pastorin) Christine Tursi (34). In der Stadt leben Schätzungen zufolge etwa 1.000 Prostituierte, in der Region bis zu 3.000. Tursi wohnt seit drei Jahren in Hannover. Die Heilsarmee ist seit 1896 in Hannover aktiv und unterhält ihr Gemeindezentrum am Rand des Rotlichtmilieus.

Wie Tursi der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte, ist es bei den Besuchen in den Privatwohnungen der Prostituierten wichtig, sie nicht über ihre Tätigkeit zu definieren, „sondern als Frauen, die unsere Anerkennung, unseren Respekt, unsere Liebe und Barmherzigkeit brauchen“.

Vor der Corona-Pandemie habe sie zusammen mit fünf weiteren Frauen jeweils zu zweit jede Woche Prostituierte besucht: „Unser Ziel war von Anfang an, sie zu segnen und mit Würde zu behandeln.“ Man habe Kaffee miteinander getrunken oder zusammen gegessen: „Aus den Beziehungen entstanden Freundschaften.“

Frauen prostituieren sich nicht freiwillig

In den Gesprächen habe sie den Eindruck gewonnen, dass keine der Frauen ihre Tätigkeit freiwillig ausübt. Viele sähen für sich aber keine andere Möglichkeiten, um für den Lebensunterhalt zu sorgen. Auch während der Pandemie hätten Mitarbeiterinnen jede Woche in etwas reduziertem Umfang Frauen und Familien im Rotlichtmilieu besucht. Dabei hätten sie den Wunsch geäußert, gemeinsam zu beten, die Bibel zu lesen und Gottesdienst zu feiern.

Weil fast alle der Prostituierten aus Bulgarien stammten und nur schlecht Deutsch sprächen, biete man für sie nun einen zweisprachigen Gottesdienst am Donnerstag an. Auch Nachbarn und Familienmitglieder seien hinzugekommen. Tursi und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen haben Kontakt zu zehn Familien und 20 Frauen, die im Rotlichtmilieu leben.

Für den Besuchsdienst braucht man eine Berufung

Wie sie IDEA ferner erläuterte, kann man diesen Dienst nur mit einer Berufung und einem lebendigen Glauben tun. Sonst könnten solche Besuche zu einer großen seelischen Belastung werden. In einem Hintergrundbericht über ihre Arbeit in der Zeitschrift „Geistesgegenwärtig“ der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche zeigt sich Tursi davon überzeugt, dass Besuche „nicht nur im Rotlichtmilieu viel Frucht bringen können, sondern überall, wo Menschen einander begegnen“.

Die Heilsarmee wurde 1865 in den Elendsvierteln im Osten Londons von dem Methodistenpastor William Booth (1829–1912) gegründet. Unter dem Motto „Suppe, Seife, Seelenheil“ ist sie heute in vielen Ländern der Welt sozialmissionarisch aktiv. Die Heilsarmee hat heute weltweit nach eigenen Angaben über 1,6 Millionen Mitglieder. Das Hauptquartier für Deutschland, Litauen und Polen befindet sich in Köln. In diesen Ländern hat die Freikirche 45 Gemeinden mit mehr als 1.300 Mitgliedern sowie 18 soziale Einrichtungen mit weiteren angegliederten Angeboten.

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