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Auf Distanz zum „Alleingültigkeitsanspruch“ des Christentums

15.10.2021

Die Schlosskuppel in Berlin. Foto: pixabay.com
Die Schlosskuppel in Berlin. Foto: pixabay.com

Berlin (IDEA) – Anstoß erregen biblische Aussagen auf einer Inschrift der Kuppel des wiedererrichteten Schlosses in Berlin. Das goldene Spruchband ist aus zwei Bibelversen zusammengesetzt (Apostelgeschichte 4,12 und Philipper 2,10): „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

Die Inschrift soll von König Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) ausgewählt worden sein. Sie ist von der Dachterrasse des Berliner Humboldt Forums zu sehen, die am 16. Oktober für die Öffentlichkeit geöffnet wird. Zur Erläuterung der Schlosskuppel und des Spruchbandes sollen laut Humboldt Forum zwei bronzene Tafeln angebracht werden. Darauf heißt es am Ende des Textes, der der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA vorliegt: „Alle Institutionen im Humboldt Forum distanzieren sich ausdrücklich von dem Alleingültigkeits- und Herrschaftsanspruch des Christentums, den die Inschrift zum Ausdruck bringt.“

Wie ein Pressesprecher des Humboldt Forums IDEA mitteilte, sollen die Tafeln noch in diesem Jahr aufgestellt werden. Laut dem Vorstand für den Baubereich der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Hans-Dieter Hegner, ist die Kuppel ein „bauhistorisches Zitat im Rahmen der Schlossrekonstruktion“. Das rund 40.000 Quadratmeter umfassende Gebäude teilen sich Museen, das Land Berlin, die Humboldt-Universität und die Stiftung Humboldt Forum.

Zum geschichtlichen Hintergrund: Das Schloss war 1950 auf Befehl des damaligen DDR-Staatschefs Walter Ulbricht (1893–1973) gesprengt worden. 2002 beschloss der Bundestag den Wiederaufbau als Humboldt Forum – ein Zentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung mit Schwerpunkt auf völkerkundlichen Sammlungen. Seit Juli ist das Gebäude auch für Publikum zugänglich.

Uneinigkeit bei Kirchen

Bereits im vergangenen Jahr hatte es Debatten um das Kuppelkreuz und das Spruchband auf dem rekonstruierten Schloss gegeben. Bei Spitzenrepräsentanten der katholischen und evangelischen Kirche in Berlin herrscht im Blick auf das Spruchband Uneinigkeit. Dem katholischen Erzbischof des Bistums Berlin, Heiner Koch, zufolge betonen beide Bibelverse, „dass die Menschen sich nur vor Gott verbeugen und keiner irdischen Macht diese Ehre erweisen sollen: Welche Freiheit spricht aus diesen Worten!“.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Christian Stäblein, erklärte dagegen: „Intolerante Exklusivitätsansprüche sind – auch als historische Zitate – gefährlich und brauchen Gegenbilder.“

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