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126. Allianzkonferenz: Die fromme Bubble verlassen

04.08.2022

Steffen Beck sprach beim Eröffnungsgottesdienst der 126. Allianzkonferenz. Foto: Pro/Norbert Schäfer
Steffen Beck sprach beim Eröffnungsgottesdienst der 126. Allianzkonferenz. Foto: Pro/Norbert Schäfer

Bad Blankenburg (IDEA) – Mit einem Gottesdienst hat am 3. August die 126. Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz im thüringischen Bad Blankenburg begonnen. Sie steht unter dem Motto „Standhaft“ und befasst sich mit dem alttestamentlichen Buch Daniel.

Der Leitende Pastor der freikirchlichen Gemeinde ICF Karlsruhe, Steffen Beck, rief Christen in seiner Predigt dazu auf, sich gesellschaftlich zu engagieren: „Es geht nicht immer im Leben darum, wie wir Frommen noch frömmer werden, sondern manchmal geht es auch darum, wie wir aus unserer frommen Bubble herauskommen, wenn Gott uns ruft.“

Standhaftigkeit nicht mit fehlender Anpassungsfähigkeit verwechseln

Beck verdeutlichte am Beispiel des Propheten Daniel, wie es gelingen kann, in einer säkular geprägten Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen.

Hintergrund: Ein Großteil der jüdischen Bevölkerung – darunter Daniel und seine Freunde – war unter dem babylonischen König Nebukadnezar II. (um 640–562 v. Chr.) nach Babylon verschleppt worden. Beck sagte, dass Daniel sich genau überlegt habe, wo er dort Kompromisse einging – er nahm einen neuen babylonischen Namen an – und wo er für seine Themen einstand, die ihm besonders wichtig waren – indem er etwa das als unrein empfundene Essen der Babylonier ablehnte (Daniel 1).

Beck betonte, dass Standhaftigkeit nicht mit fehlender Anpassungsfähigkeit verwechselt werden dürfe. Dafür müsse man zwischen primären und sekundären Themen unterscheiden können. Wenn ein Christ auf der Arbeit gezwungen werde, zu lügen und zu betrügen, seien zentrale christliche Werte angegriffen. „Da müssen wir sagen: Da machen wir nicht mit.“

Christen müssten die weltliche Kultur verstehen, bevor sie diese beeinflussen und verändern könnten. Um Menschen retten und ihnen das Evangelium bringen zu können, müsse man auch in die Welt eintauchen, so Beck.

Ferner wies er darauf hin, dass schwere Krisen Teil von Gottes Plan seien könnten: „Es war eine Niederlage, die Daniel an den Königshof gebracht hatte.“ Dadurch habe Daniel aber Einfluss auf den König bekommen: „Gott hat nicht aufgehört zu regieren in unserem Leben, wenn etwas scheitert.“ Eine Krise könne Christen helfen, noch stärker auf Gott zu vertrauen oder beispielsweise eine neue Berufung zu erkennen.

Interessierte können sich live dazuschalten

Referenten bei dem fünftägigen Treffen in Bad Blankenburg sind unter anderen der Generalsekretär des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Frank Spatz (Kassel), die Jugendbeauftragte der Schweizerischen Evangelischen Allianz, Jaël Binggeli (Zürich), der Theologieprofessor Matthias Clausen (Marburg) und der Rektor des Bibelseminars Bonn, Heinrich Derksen.

Einige Veranstaltungen in der Konferenzhalle können live auf dem YouTube-Kanal der Deutschen Evangelischen Allianz verfolgt werden. Veranstalterangaben zufolge werden bis zum 7. August inklusive Tagesgäste knapp 1.000 Besucher erwartet. Im Vorjahr durften nur 300 Besucher in der historischen Konferenzhalle dabei sein. Insgesamt waren 500 Teilnehmer zugelassen.

Welche Bedeutung das Allianzgelände hat

Das Allianzgelände in Bad Blankenburg gilt heute als Zentrum der Evangelikalen in Deutschland. Leiterin des Evangelische Allianzhauses ist Gabriele Fischer-Schlüter. Allianzvorsitzender ist Pastor Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr), Generalsekretär Reinhardt Schink (München).

Die Deutsche Evangelische Allianz hat an rund 1.000 Orten Allianzkreise. Sie veranstaltet unter anderem jährlich die Allianzgebetswoche. Die Allianzkonferenz fand erstmals 1886 statt. Die Evangelische Allianz wurde 1846 in London gegründet.

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