Glaube

Freundschaft in Krisen: Aushalten, Hinhalten, Klappehalten

Was macht echte Freundschaft in Zeiten von Leid aus? Bei der Allianzkonferenz in Bad Blankenburg zeigte Christiane Walz anhand der Freunde Hiobs, warum Aushalten, das Hinhalten des Schmerzes vor Gott und bewusstes Schweigen oft mehr helfen als gut gemeinte Ratschläge.

Lesezeit: 3 min

Christiane Walz: „Demütiges Einräumen der eigenen Sprach- und Hilflosigkeit“
Christiane Walz: „Demütiges Einräumen der eigenen Sprach- und Hilflosigkeit“ Screenshot: YouTube Allianzkonferenz 2026

Echte Freundschaft zeigt sich vor allem in Krisenzeiten durch drei Formen des Haltens: das Aushalten, das Hinhalten vor Gott und das Klappehalten. Das hat die Leiterin des Gebetshauses Burgenlandkreis, Christiane Walz, bei einer Bibelarbeit auf der 130. Allianzkonferenz im thüringischen Bad Blankenburg betont. 

Die Konferenz findet vom 5. bis 9. August statt und beschäftigt sich mit dem Buch Hiob. Ausgangspunkt ihrer Auslegung am 6. August war Hiob 2, in dem die drei Freunde Eliphas, Bildad und Zophar zu dem schwer geprüften Hiob reisen, um ihn zu beklagen und zu trösten.

Aushalten: Dasein ohne Lösung

Zunächst hätten die drei Freunde den Anblick Hiobs ausgehalten, der durch seine Krankheit so entstellt gewesen sei, dass sie ihn nicht wiedererkannt hätten. Zudem hätten sie ertragen müssen, keine Lösung parat zu haben. Auch Jesus habe im Garten Gethsemane seine Jünger gebeten, mit ihm zu wachen (Matthäus 26). Er habe keine Ratschläge gewollt, sondern die bloße Anwesenheit seiner Freunde.

Hinhalten: Den Schmerz vor Gott bringen

Als zweite Form nannte Walz das Hinhalten des Leides vor Gott. Die drei Freunde hätten laut geweint, ihre Kleider zerrissen und Staub gen Himmel geworfen. Diese Gesten symbolisierten ein wortloses Ausrufen des Schmerzes vor Gott. Aus eigener Erfahrung berichtete Walz von einer Freundesgruppe zu dritt, in der sich die Mitglieder regelmäßig online treffen. Nach Fehlgeburten, beruflichen Krisen und Trauerfällen hätten sie miteinander geweint und ihren Schmerz vor Gott gebracht: „Die Situation an sich hat das nicht verändert, aber uns selber ging es besser.“

Klappehalten: Schweigen als Zeichen der Demut

Als dritte und besonders wichtige Haltung nannte Walz das Schweigen. Sieben Tage und sieben Nächte hätten die Freunde bei Hiob gesessen, ohne ein Wort zu sagen, „denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war“. Dies sei ein „demütiges Einräumen der eigenen Sprach- und Hilflosigkeit“ gewesen. 

Als Coach begleite sie immer wieder Menschen, denen durch wohlmeinende, aber unangebrachte Worte aus dem christlichen Umfeld zusätzlicher Schmerz zugefügt worden sei – etwa durch die Aufforderung, mehr Gott zu vertrauen oder dankbar zu sein. „So oft denke ich dann: Lieber mal die Klappehalten.“ Walz war 15 Jahre Pastorin bei der Heilsarmee. Neben der Leitung des Gebetshauses Burgenlandkreis arbeitet sie als Coach und Supervisorin. 

Die EAD blickt 2026 auf prägende Meilensteine zurück: Vor 180 Jahren wurde in London der Grundstein für die weltweite Allianzbewegung gelegt – von Beginn an unter deutscher Beteiligung. Vor 140 Jahren fand die erste Bad Blankenburger Allianzkonferenz statt. Die diesjährige ist die 130. Konferenz.

Cookies für relevante Nachrichten.

Damit Sie komfortabel auf IDEA.de unterwegs sein können setzen wir Cookies und Dienste externer Partner ein. Mit Klick auf „ALLE AKZEPTIEREN“ stimmen Sie der Cookie-Nutzung und der Datenübermittlung an externe Partner zu und erklären sich einverstanden, dass Ihre Daten auch in Nicht-EU-Länder mit unzureichendem Datenschutz übertragen werden können (Details siehe Datenschutzhinweise).