Glaube

Hiob-Auslegung: Schink mahnt zu Demut im Reden über Gott

Wer leidet, hat selbst Schuld? Gegen diesen folgenschweren Kurzschluss hat der Vorstand der Evangelischen Allianz in Deutschland, Reinhardt Schink, zum Start der 130. Allianzkonferenz in Bad Blankenburg eindringlich gewarnt. Sie beschäftigt sich fünf Tage mit dem Buch Hiob.

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Warnt vor „Schein-Gewissheiten“: Allianz-Vorstand Reinhardt Schink
Warnt vor „Schein-Gewissheiten“: Allianz-Vorstand Reinhardt Schink Foto: Achim Halfmann

Christen sollten sich davor hüten, in ihrem Glauben zu „Schein-Gewissheiten“ zu gelangen und wie die Freunde Hiobs falsch über Gott zu reden. Das hat der Vorstand der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD), Reinhardt Schink (Bad Blankenburg/München), in einer Bibelarbeit zum Auftakt der 130. Allianzkonferenz im thüringischen Bad Blankenburg vor 800 Teilnehmern betont. 

Die Bibelkonferenz findet vom 5. bis 9. August statt und beschäftigt sich mit dem Buch Hiob. Die Freunde Hiobs hätten Gott mit theologischen Argumenten verteidigen wollen – und doch habe Gott am Ende gesagt, sie hätten nicht recht von ihm geredet, während Hiob richtig gesprochen habe. Diese Verstörung müsse man ernst nehmen, sagte Schink.

Der Denkfehler

Die Freunde Hiobs erklärten das Leid mit dem „Tun-Ergehens-Zusammenhang“: Weil Gott gerecht und allmächtig sei, müsse Hiob gesündigt haben. Doch Hiob habe gerade nicht wegen einer Sünde gelitten, sondern weil er gottesfürchtig gewesen sei. Die Freunde hätten einen Denkfehler gemacht. 

Denn natürlich gebe es diesen Tun-Ergehens-Zusammenhang auch an anderen Stellen in der Bibel und damit in Geschichten, die die Freunde Hiobs kannten, sagte Schink: „Aber das heißt noch lange nicht im Umkehrschluss, dass jedes Leid auf Sünde zurückzuführen sein muss.“

Warnung vor falschen Schlüssen bei Krankheit

Eine moderne Variante dieses Denkfehlers sei die Behauptung, ein nicht erhörtes Heilungsgebet sei auf mangelnden Glauben des Kranken zurückzuführen. Solche Aussagen könnten „nicht nur falsch, sondern auch tödlich“ sein, weil sie zur Schwere von Krankheit und Leid noch die Schwere eines Vorwurfs hinzufügten.

Bibelverse nicht aus dem Zusammenhang reißen

Aus dem Umstand, dass die Freunde Hiobs im Mittelteil des Buches „auch ganz schön viel dummes Zeug über Gott“ redeten, ergebe sich eine Mahnung: „Wenn ich einfach einen Vers aus dem Zusammenhang herausreiße, dann kann es passieren, dass ich Wort Gottes zitiere und trotzdem nicht die Wahrheit sage.“ Ein einzelner Bibelvers reiche nicht aus – es müsse stets das Gesamtzeugnis der Bibel berücksichtigt werden.

Theologische und seelsorgerliche Ebene bedenken

Um recht von Gott zu reden, sei zweierlei entscheidend, so Schink: Zum einen müssten Christen die theologische und die seelsorgerliche Ebene betrachten. Leidenden Menschen helfe die Herzensbegegnung. Zum anderen dürfe aus Glaubensgewissheit keine „Schein-Sicherheit“ werden. Die Evangelische Allianz sollte nicht „als die modernen Pharisäer und Schriftgelehrten“ auftreten. Diese hätten ein perfektes theologisches Konstrukt gehabt, aber den lebendigen Gott in Jesus nicht erkannt. Am Ende stehe das Bekenntnis Hiobs: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ 

Die EAD blickt 2026 auf prägende Meilensteine zurück: Vor 180 Jahren wurde in London der Grundstein für die weltweite Allianzbewegung gelegt – von Beginn an unter deutscher Beteiligung. Vor 140 Jahren fand die erste Bad Blankenburger Allianzkonferenz statt, die diesjährige ist die 130. Konferenz.

Lesen Sie HIER ein Interview zur Allianzkonferenz mit dem Leiter des Konferenzteams, Hans-Günter Schmidts

Und HIER die Erfahrungen von Susi Childers, die 80 Länder bereist und mit ihrer Kamera das Leben von Menschen dokumentiert hat, die oft vergessen werden. Auf der Allianzkonferenz wird sie am Sonntag davon berichten. 

 

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