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Schink wirbt für die leisen Töne: Wahrheit braucht keine Lautstärke

04.08.2022

Reinhardt Schink hielt eine Bibelarbeit auf der 126. Allianzkonferenz. Screenshot: YouTube/Allianzkonferenz Bad Blankenburg
Reinhardt Schink hielt eine Bibelarbeit auf der 126. Allianzkonferenz. Screenshot: YouTube/Allianzkonferenz Bad Blankenburg

Bad Blankenburg (IDEA) – Der Generalsekretär der Evangelischen Allianz in Deutschland, Reinhardt Schink (München/Bad Blankenburg), hat dazu aufgerufen, in Gesprächen über den Glauben und über eigene Standpunkte weniger auf Lautstärke, sondern stärker auf leise Töne zu setzen.

Er äußerte sich am 4. August auf der 126. Allianzkonferenz im thüringischen Bad Blankenburg in einer Bibelarbeit über das alttestamentliche Buch Daniel. Dort wird im 2. Kapitel berichtet, dass nur der jüdische Prophet Daniel dem babylonischen König Nebukadnezar II. (um 640–562 v. Chr.) einen Traum von Gott schildern und auslegen konnte. In seiner Deutung habe Daniel dem König klar gemacht, dass dessen Macht räumlich und zeitlich begrenzt ist, sagte Schink.

Die Aussagen Daniels seien an Klarheit nicht zu überbieten gewesen, aber er habe sie sanft geäußert. Davon könnten Christen auch heute lernen: „Man muss nicht immer in Stücke hauen, um klar, präzise und deutlich sein zu können.“ Wahrheit brauche nicht immer unbedingt die Lautstärke. Leise Töne anzuschlagen habe auch nichts mit „Weicheierei“ zu tun.

Standhaftigkeit heißt nicht, sich „festbetoniert irgendwo einzugraben“

Weiter sagte Schink, dass Standhaftigkeit nicht bedeute, sich „festbetoniert irgendwo einzugraben“ und dann aus dem „kleinen Schützengraben“ heraus zu versuchen, das christliche Abendland zu retten: „Standhaftigkeit und Bewegung widersprechen sich nicht.“ Daniel habe ohne „Schaum vor dem Mund“ gesprochen und so das Herz und das Ohr von Nebukadnezar erreicht – ohne die Wahrheit zu verbiegen.

Ihn erreichten als Generalsekretär Mails, in denen Christen ihm schrieben, die Allianz müsse deutlicher Position beziehen und auch einmal verbal „draufhauen“, weil man mit Sanftmut heute nichts mehr erreiche. Da schwinge etwas mit, so Schink, was „rein gar nichts“ mit der Haltung von Daniel zu tun habe. Ruppigkeit und Lautstärke seien „keine Dimension von Bekenntnisstärke“.

Das Herz der Menschen gewinnen – nicht die Diskussion

Ferner ermutigte Schink, Menschen in Gesprächen mehr Fragen zu stellen. Auch das könne man sowohl von Daniel als auch von Jesus lernen, der häufig Gespräche an entscheidenden Stellen mit Fragen gesteuert habe. „Ich würde es mir von Herzen wünschen, dass Christen als Menschen bekannt sind, die nicht die Diskussion gewinnen wollen, sondern das Herz des Gegenübers gewinnen wollen. Das macht man mit Fragen.“ Zur „richtigen Zeit“ könne dann die klare Ansage folgen.

Schink betonte, dass dies nicht bedeute, sich „mit den Mächtigen ins Bett“ zu legen. Dazu seien Christen auf keinen Fall aufgerufen. Er ermutigte, der „Sprengkraft des Glaubens“ mehr Vertrauen zu schenken. Gott habe alle Macht und komme immer zum Ziel.

Konferenz steht unter dem Motto „Standhaft“

Die diesjährige Allianzkonferenz steht unter dem Motto „Standhaft“ und geht noch bis zum 7. August. Referenten bei dem fünftägigen Treffen sind unter anderen der Generalsekretär des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Frank Spatz (Kassel), die Jugendbeauftragte der Schweizerischen Evangelischen Allianz, Jaël Binggeli (Zürich), der Theologieprofessor Matthias Clausen (Marburg) und der Rektor des Bibelseminars Bonn, Heinrich Derksen.

Einige Veranstaltungen in der Konferenzhalle können live auf dem YouTube-Kanal der Deutschen Evangelischen Allianz verfolgt werden. Veranstalterangaben zufolge werden inklusive Tagesgäste knapp 1.000 Besucher vor Ort erwartet.

Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Deutschland ist Pastor Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr). Sie hat an rund 1.000 Orten Allianzkreise und veranstaltet unter anderem jährlich die Allianzgebetswoche. Die Allianzkonferenz fand erstmals 1886 statt. Die Evangelische Allianz wurde 1846 in London gegründet.

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