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Badischer Altbischof Ulrich Fischer gestorben

22.10.2020

Beim Altlandesbischof Ulrich Fischer wurde 2018 ein Gehirntumor diagnostiziert. Foto: idea/Karsten Huhn
Beim Altlandesbischof Ulrich Fischer wurde 2018 ein Gehirntumor diagnostiziert. Foto: idea/Karsten Huhn

Karlsruhe (idea) – Die Evangelische Landeskirche in Baden trauert um ihren früheren Landesbischof Ulrich Fischer. Der 71-Jährige starb am 21. Oktober an einer Krebserkrankung. Er stand von 1998 bis 2014 an der Spitze der Kirche, die heute 1,1 Millionen Mitglieder zählt. Kurz vor seinem 70. Geburtstag am 11. Februar 2019 wurde bei dem Theologen ein Hirntumor diagnostiziert. Wie er dazu der Evangelischen Nachrichtenagentur idea in einem Interview sagte, kann jemand, der die christliche Hoffnung in sich trage, leichter mit dem Leben und mit dem Tod umgehen. Die Gewissheit, von Jesus Christus aufgenommen zu werden, helfe gegen die Angst angesichts einer tödlichen Krankheit. Die Hoffnung auf ewiges Leben sei auch für Angehörige ein großer Trost: „Sie müssen nicht an den vermodernden Leib im Grab denken, sondern die Toten werden bei Gott sein.“

Dankbar für Gemeinschaft der Glaubenden

Ferner bekannte Fischer, dass ihn die Gemeinschaft der Glaubenden sehr dankbar mache. Er habe „unglaublich viel Post“ von Christen bekommen, die für ihn beteten. Dies erinnere ihn an eine Erfahrung, die er auch zu Beginn seines Bischofsdienstes gemacht habe: „Ich fühlte mich wie von einem Schutzmantel der Betenden umhüllt.“ Zudem hätten ihm im Krankenhaus seine Bibel und sein Gesangbuch geholfen. Er habe viel gelesen und vor sich hingesungen. Dazu zählten Lieder wie „Befiehl du deine Wege“, „Jesu, meine Freude“ oder „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Lieder dringen viel tiefer in die Seele ein als Texte, so Fischer.

Sechs Jahre lang Mitglied im Rat der EKD

Von 2009 bis 2015 gehörte Fischer zum Rat der EKD. Von 2003 bis 2013 hatte er zudem den Vorsitz der Union Evangelischer Kirchen (UEK) inne, in der zwölf EKD-Gliedkirchen zusammengeschlossen sind. Außerdem amtierte er als Aufsichtsratsvorsitzender des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP/2012–2015). Dessen Direktor, Jörg Bollmann (Frankfurt am Main), würdigte Fischers Verdienste um die kirchlichen Medien. Dieser habe „maßgebliche Schritte in der evangelischen Publizistik eingeleitet, die in die Zukunft weisen“. Bollmann nannte die Integration des Magazins „chrismon“ ins GEP, die Weiterentwicklung der ZDF-Fernsehgottesdienste und der ARD-Sendung „Wort zum Sonntag“ sowie den Start des Portals „evangelisch.de“.

Die Förderung missionarischer Aktivitäten war ihm wichtig

Ab 2015 war Fischer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD) der Diakonie Deutschland. In der Bilanz seiner Amtszeit als Landesbischof hatte Fischer gesagt, die Förderung missionarischer Aktivitäten sei ein Schwerpunkt seiner Arbeit gewesen. So seien in vielen Kirchenbezirken und Gemeinden „Sprachschulen des Glaubens“ entstanden, meist in Form von Glaubenskursen. Durch den Besuch eines Leitungskongresses der Willow-Creek-Gemeinde in Chicago 2001 und eine anschließende Studienreise einer badischen Delegation habe er wichtige Impulse erhalten, so Fischer. Der Evangelisationskampagne proChrist stand er zunächst kritisch gegenüber, weil seiner Ansicht nach viele örtliche Initiativen nicht mit Kirchengemeinden zusammenarbeiteten. Später änderte er seine Meinung und wurde Mitglied des Kuratoriums. Im Ruhestand lebte Fischer gemeinsam mit seiner Frau Brigitte auf dem Pferdehof einer seiner drei Töchter und deren Familie in Neulußheim (bei Speyer).